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Hitzesommer – Auswirkungen auf die Wirtschaft

The heat is on

Jeder neue Hitzetag weckt die Erinnerungen an den historischen Hitzesommer 2018. Nicht nur Menschen und Natur haben unter den tropischen Temperaturen gelitten, auch die Wirtschaft hat die Folgen der anhaltenden Trockenheit gespürt. Unternehmen berichteten von sinkenden Kundenzahlen, Problemen in der Zulieferkette oder einbrechenden Ernteerträgen. Wenn wir den Klimaforschern glauben, werden wir in Zukunft immer häufiger mit Hitze und Trockenheit zu tun haben – Anlass genug, sich mit den wirtschaftlichen Auswirkungen von Hitzeperioden und Trockenheit zu beschäftigen.

Rekordjahre in Serie

Mit einer Durchschnittstemperatur von 10,4 ° Celsius war 2018 das bislang wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1881. Gleich sechs der zehn Jahre mit den höchsten Durchschnittstemperaturen entfielen auf das aktuelle Jahrzehnt. Klimaforscher rechnen fest damit, dass Temperaturen und Trockenheiten in den kommenden Jahren weiter zunehmen werden.

Was Getränkehersteller und Eiscafes freut, stellt viele Unternehmen vor große Herausforderung. Mehr als jeder fünfte CEO nennt in einer globalen Befragung von KPMG den Klimawandel, wenn er nach der größten Bedrohung für das Wachstum seines Unternehmens gefragt wird. Trockenheiten, Starkregenereignisse und Stürme landen damit noch vor Protektionismus, Risiken durch neue Technologien und Cybersicherheitsrisiken auf Rang 1 der größten Bedrohungen.

Der Hitzesommer 2018 zeigt dabei, dass es nicht um abstrakte zukünftige Risiken geht, sondern der Klimawandel schon heute sehr unmittelbare Auswirkungen auf die Unternehmen hat.
Einige Beispiele:

Land- und Forstwirtschaft: Massiver Rückgang der Ernteerträge

Die Landwirtschaft musste 2018 massive Einbrüche der Ernteerträge hinnehmen. So sanken die Erträge im Vergleich zum dreijährigen Durchschnitt (2015-2017) bei Kartoffeln um 19 Prozent, bei Weizen und Raps um 21 Prozent und bei Mais sogar um 39 Prozent. Betriebe mit Viehhaltung waren im Gegenzug von deutlich gestiegenen Preisen für Futtergeste betroffen. Der Bauernverband beziffert den wirtschaftlichen Schaden durch die Dürre auf insgesamt rund drei Milliarden Euro. Deren Auswirkungen sind in der Landwirtschaft auch in diesem Jahr noch zu spüren. Zwar rechnet der Deutsche Bauernverband für 2019 mit einer besseren Ernte als 2018, die Böden sind aber insgesamt nach wie vor zu trocken.

Auch die Forstwirtschaft leidet nach wie vor unter den Folgen des Dürresommers. Durch die fehlende Feuchtigkeit konnten die Bäume weniger Harz bilden, das vor Schädlingen schützt. In der Folge sind große Waldbestände vom Borkenkäfer befallen. „Notfällungen“ sorgen für ein Überangebot an Holz und in der Folge sinkende Holzpreise und Erträge.

Logistik und Industrie: Unterbrochene Transportwege und fehlende Rohstoffe

Niedrige Pegelstände brachten deutliche Einschränkungen für die Binnenschifffahrt. Zahlreiche Flüsse waren streckenweise nicht oder nur mit reduzierter Beladung befahren werden. Dies sorgte für sinkende Umsätze bei den Binnenschiffern, hatte aber vor allem auch Auswirkungen auf Unternehmen, die auf den Transport ihrer Rohstoffe und Produkte auf dem vergleichsweise umweltverträglichen Wasserweg setzen. Betroffen waren unter anderem die Lieferung von Importkohle für Kohlekraftwerke, von Erzen für die Stahlöfen und der Transport von Bau- und Kraftstoffen.

Unternehmen berichteten über steigende Transportkosten sowie Liefer- und Produktionsausfälle, die sich auf ihre Ergebnisse auswirkten. So bezifferte beispielsweise BASF die Belastungen für den operativen Gewinn auf rund 250 Millionen Euro. Für 2019 hat das Unternehmen Spezialkähne für Niedrigwasser reserviert. Der Spezialchemiekonzern Covestro machte unter anderem Produktionsausfälle und höhere Logistikkosten – Folgen des niedrigen Rheinwasserpegels – für einen Rückgang des operativen Ergebnisses 2018 verantwortlich.

Eingeschränkte Transportkapazitäten trieben auch die Preise für Benzin und Heizöl in die Höhe, einzelne Tankstellen meldeten deswegen Nachschubprobleme. Anstelle eines Binnentankers mussten die Mineralölunternehmen 100 Lkw oder 40 Kesselwagen einsetzen, um den Nachschub zu sichern.

Auch andere Verkehrsmittel waren von den Auswirkungen der Hitze betroffen. So verbogen sich unter dem Einfluss der hohen Temperaturen Bahngleise, Autobahnen und andere Straßen brachen auf und der Flughafen Hannover musste vorübergehend eine Landebahn schließen, da sich die Betonplatten wölbten.

Energieversorger: Gedrosselte Produktion

Wegen der hohen Wassertemperaturen mussten zahlreiche Betreiber von Kohle- und Atomkraftwerken ihre Stromproduktion drosseln. Der Grund: Ab einer Wassertemperatur von 28° Celsius dürfen Kraftwerke Kühlwasser nur noch in begrenztem Umfang in die Flüsse einleiten.

Nicht nur konventionelle Kraftwerke waren von den hohen Temperaturen betroffen, auch Anlagen, die eigentlich einen Beitrag zum Klimaschutz leisten sollen, litten unter den Folgen der Dürre. Dabei traf es vor allem grundlastfähige alternative Energien. So fehlten Biogasanlagen in Folge der Ernteausfälle in der Landwirtschaft wichtige Rohstoffe, insbesondere Mais. Die Stromerzeugung der rund 7.300 Wasserkraftanlagen in Deutschland lag auf Grund der langen Trockenheit deutlich unter dem Wert des Vorjahres und erreichte mit 16,5 TWh den niedrigsten Stand seit 1991.

Handel, Textilien und Wasserwirtschaft - weitere Branchen betroffen

Hitzeopfer war zudem der stationäre Handel, der hitzebedingt weniger Käufer begrüßen konnte, die bei tropischen Temperaturen den Badesee dem Einkaufszentrum vorzogen. Die Textilbranche blieb angesichts anhaltend hoher Temperaturen bis in den Herbst hinein auf ihrer Herbst- und Winterware sitzen. Für die rund 6.000 Wasserversorger in Deutschland war der Sommer 2018 ein echter Stresstest, weitere Dürrejahre hätten gravierende Auswirkungen auf die Wasserverfügbarkeit. Und auch die Kommunen mussten finanzielle Mehrbelastungen schultern, beispielsweise für die Bewässerung von Grünflächen.

Vorsorge erforderlich

Jede Branche muss ihren eigenen Weg finden, mit den bereits spürbaren und zukünftig noch steigenden Folgen des Klimawandels umzugehen. Im Hinblick auf ein „Hitze-Risikomanagement“ reicht die Palette möglicher Maßnahmen von der Nutzung hitzeresistenter Pflanzen und von Wetterderivaten in der Landwirtschaft über die Diversifikation der Logistikketten in der Industrie bis Schaffung alternativer Entsorgungswege für das Kühlwasser bei Kraftwerken und der Nutzung alternativer Biomasse in Biogasanlagen.