Deutschland: Handelsüberschuss unter Druck - Blickpunkt Die Woche
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Deutschland: Handelsüberschuss unter Druck

Die hohen Importkosten und eine schwache Exportentwicklung nach Lieferkettenproblemen belasten die Außenhandelsbilanz. Ein Vorgeschmack auf die De-Globalisierung? Zudem: US-Verbraucherpreise, UK-BIP.

Selten stehen deutsche Außenhandelszahlen im Fokus des öffentlichen Interesses. Das hat sich geändert, als im Mai die Handelsbilanz erstmals seit 1991 fast in den negativen Bereich gerutscht war. Im Juni präsentieren sich die Zahlen nun bei einem Handelsbilanzüberschuss von 6,4 Mrd. Euro (sb.) leicht freundlicher.

Allerdings liegt man damit im ersten Halbjahr 2022 bei einem Saldo von 31,6 Mrd. noch immer knapp 60% unter dem Corona-Jahr 2020 (77,1 Mrd. Euro), das ebenfalls schon außergewöhnlich schlecht ausgefallen war. Das lässt sich einerseits auf die hohe Importdynamik durch das Comeback des deutschen Privatkonsums, aber auch auf die Preishausse bei Rohstoffen zurückführen.

In erster Linie betrifft das die Einfuhr der Energierohstoffe Erdöl und Erdgas. Verdeutlicht wird das an den Importen aus Russland, die trotz deutlicher Mengenreduktion dem Wert nach um 51,3% auf 22,6 Mrd. Euro zugelegt haben. Die Reduktion der russischen Einfuhrmengen musste man zu teureren Weltmarktpreisen kompensieren. Gleichzeitig behindern die globalen Lieferprobleme und der konjunkturelle Abschwung die deutschen Exporte bei zyklischen High-Tech-Produkten wie Maschinen und Kfz, die mit zusammen 29,5% (2021) den Löwenteil der Ausfuhren ausmachen.

Auch wenn eine solche Diagnose verfrüht wäre, geben die Außenhandelszahlen doch einen Vorgeschmack auf sich verfestigende internationale Blockbildung und De-Globalisierung.

Der Wochenfahrplan
In einer Datenwoche mit nur wenigen Impulsen sticht einzig die US-Inflation hervor.

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