„Es gibt keinen Planeten B“
BayernLB

„Es gibt keinen Planeten B“

Johannes Anschott verstärkt seit April die Fortschrittsfinanzierer der BayernLB. Im Interview spricht er über seine ersten drei Monate in München, Sektorexpertise und die Herausforderungen einer klimafreundlichen Wirtschaft.

„There is no planet B“: Johannes Anschott verantwortet das Unternehmenskunden- und Kapitalmarktgeschäft der BayernLB.

© BayernLB

Johannes, die BayernLB bezeichnet sich selbst als Fortschrittsfinanzierer. Was bedeutet das für Dich?

Johannes Anschott: Wir finanzieren Fortschritt. Unser Claim bringt sehr gut auf den Punkt, was wir machen und welchen Anspruch wir an uns selbst stellen. Ich stehe voll dahinter und würde es so übersetzen: Wir helfen unseren Kunden mit intelligenten Finanzierungslösungen dabei, ihre Geschäftsmodelle weiter zu entwickeln oder neue Projekte zu realisieren.

Durch die Verfügbarkeit neuer Technologien und die Notwendigkeit, das Wirtschaftsleben zu dekarbonisieren haben sich die Veränderungsgeschwindigkeit und der Investitionsbedarf in eben diese Technologien deutlich erhöht. Die Zukunft lässt sich somit nicht linear aus der Vergangenheit ableiten. Damit ändern sich die Anforderungen an die Finanzierung. Dabei versteht es sich von selbst, dass die BayernLB genauso fortschrittlich sein muss wie ihre Kunden. Daran arbeiten wir hart.

Die BayernLB fokussiert sich im Unternehmenskundengeschäft seit dem Jahreswechsel vor allem auf fünf Fokussektoren. Warum? Und was ist mit den anderen Branchen, die immer noch bedient werden?

Johannes Anschott: Wir bieten unseren Kunden den größten Nutzen, wenn wir uns auf das konzentrieren, was wir am besten können. Deshalb legen wir einen besonderen Schwerpunkt auf Energie, Mobilität, Technologie, Bau und Grundstoffe sowie Maschinen- und Anlagebau. Diese Sektoren sind zukunftsstark und wir kennen deren Chancen und Herausforderungen besonders gut. Deshalb begleiten wir unsere Kunden und Projekte in diesen Sektoren auch über unseren Heimatmarkt hinaus. Hier wollen wir investieren und wachsen. Unabhängig davon versteht es sich von selbst, dass wir auch weiterhin mit langjährigen Kunden in unserem Heimatmarkt aus den verschiedensten Branchen zusammenarbeiten werden, wenn das für beide Seiten Wert schafft.

Wie profitieren die Kunden der BayernLB von der Sektorexpertise?

Johannes Anschott: Erstens, wir kennen das Geschäft unserer Kunden. Viele unserer Spezialisten beschäftigen sich beruflich mit nichts anderem als mit den Fokussektoren. Dadurch können wir mit unseren Kunden auf Augenhöhe über Trends und Zukunftsthemen diskutieren, und sie bei der Weiterentwicklung und Transformation ihrer Geschäftsmodelle begleiten.

Zweitens, wir beherrschen unser Handwerk. Wir sind stark in der Strukturierung, in Asset Finance und am Kapitalmarkt. In das Thema ESG investieren wir derzeit sehr viele Kapazitäten. Ich bin kein Freund von Marketingfloskeln, aber das ist die Basis dafür, unseren Unternehmenskunden tragfähige Finanzierungslösungen zu liefern, die exakt an ihrem Bedarf ausgerichtet sind.

Drittens, wir entscheiden schnell. Wir haben alle Spezialisten, die sich um die Kunden einer Branche kümmern, in einem Team gebündelt. Zu diesen agilen Sektorteams gehören Produktspezialisten aus Corporate Finance, Project Finance, Trade & Export Finance, Leasing oder Asset Finance zusammen mit Kredit- und Branchenanalysten. Diese Aufstellung garantiert einheitliche Ansprechpartner für unsere Kunden sowie kurze Entscheidungswege – und damit schnelle Lösungen.

Zur Person

Johannes Anschott (*1969) ist seit 1. April 2021 Mitglied des Vorstands der BayernLB und für das Firmenkunden- und Kapitalmarktgeschäft zuständig. Der Bankkaufmann und Betriebswirt startete seine berufliche Karriere im Firmenkundengeschäft der National-Bank mit Sitz in Essen. Einen Großteil seines Berufslebens verbrachte er bei der Commerzbank, wo er diverse nationale und internationale Führungsaufgaben im Corporate Banking und Mittelstandsgeschäft bekleidete. Im Jahr 2016 wurde er in den Vorstand der Commerz Real AG berufen und war von Juni 2020 bis zu seinem Wechsel zur BayernLB deren Vorstandsvorsitzender.

Zum Thema ESG: Wie viele andere Unternehmen will sich die BayernLB auch stärker auf Nachhaltigkeit ausrichten. Wie wichtig ist Dir das?

Johannes Anschott: There is no Planet B. Wie wir in den nächsten 25 Jahren leben – einer Millisekunde im Leben dieser Erde – wird unumkehrbare Folgen haben für das Klima, die Biodiversität und die Gesellschaft, um nicht zu sagen die Menschheit. War früher einmal ausschließlich die Rendite maßgeblich und später die risikoadjustierte Rendite, so kommt nun als dritte Dimension der Impact hinzu, das heißt die Auswirkung auf die Umwelt und die Gesellschaft sowie die Regeln, nach denen wir handeln. Dem wollen wir uns stellen. Natürlich sind wir von unserem Zielbild noch entfernt, jedoch arbeiten wir mit zunehmend positivem Momentum daran, es zu erreichen.

Physische Assets und deren Finanzierung werden auch weiterhin einen Impact auf unser Ökosystem haben. Daher wollen wir die Transition unserer Kunden hin zu nachhaltigen Geschäftsmodellen und Produktionsprozessen begleiten.

Was kann die BayernLB Ihren Kunden heute schon liefern?

Johannes Anschott: Um Fortschrittsfinanzierer zu sein, muss man selber fortschrittlich sein. Und um Nachhaltigkeit zu finanzieren, sollte man auch selber nachhaltig agieren. Das tun wir. Wir sind vergangenes Jahr beim Nachhaltigkeitsrating von ISS erneut als eine der TOP 10 internationalen Banken weltweit eingestuft worden. Wir verfügen über ein starkes Portfolio im Bereich der erneuerbaren Energien. Wir arbeiten an allen deutschen Standorten seit Jahren klimaneutral.

Unseren Kunden bieten wir ein ESG- und Financial Advisory an, um im Zielbild taxonomiekonform agieren zu können. Mit grünen Krediten, Schuldscheinen und Anleihen werden grüne Projekte finanziert. Wir sind Pionier und einer der führenden Arrangeure bei grünen Schuldscheinen. So haben wir bereits 2016 den ersten grünen Schuldschein weltweit platziert und seither knapp die Hälfte aller nachhaltigen Transaktionen begleitet. Mit sustainability-linked Finanzierungsprodukten unterstützen wir ESG-Ziele auf Unternehmensebene, ohne die Mittel zweckgebunden in Nachhaltigkeit investieren zu müssen. Das bedeutet freie Mittelverwendung, bei klar messbarem und kommunizierbarem Commitment, ESG Ziele konsequent umzusetzen.

Zusätzlich unterstützen wir Unternehmen beispielsweise mit unserer langjährigen Beratungs- und Handelskompetenz im Emissionsrechtehandel. Dieses Thema gewinnt aufgrund der anstehenden Novellierung des Klimaschutzgesetzes des Bundes eine neue Bedeutung. Denn auf unsere Kunden kommt die Herausforderung zu, ihren Reduktionspfad an Emissionen früher und umfänglicher zu erreichen. So helfen wir, Investitionen in die Projekte zu lenken, bei denen die CO²-Reduktion am größten ist.

Die Konzerntöchter der BayernLB zählen übrigens auch zu den Vorreitern bei der Entwicklung nachhaltiger Produkte. So verfügt beispielsweise die DKB über ein Angebot von innovativen Produkten und Refinanzierungen mit ESG-Bezug. Und unsere Tochter BayernInvest hat sich selbst das Ziel gesetzt, bis 2025 alle Portfolien im Einklang mit dem 1,5-Grad-Ziel des Paris Agreement zu bringen und Marktführer im ESG-/CO2-Reporting zu sein.

Nachhaltigkeit ist ein Schwerpunkt, was hat die BayernLB im Kapitalmarktgeschäft noch vor?

Johannes Anschott: Wir konzentrieren uns auf das, was wir am besten können – und was die von uns betreuten Unternehmen brauchen. Das sind das Debt Capital Markets-Geschäft inklusive Schuldscheinen, Geldmarktprodukten, Repo, Commercial Papers, Verbriefungen und strukturierte Finanzierungen sowie Zins- und Währungsmanagement. Nicht mehr in unserem Fokus stehen Produkte, bei denen wir in der Vergangenheit nur eine subkritische Größe aufweisen konnten und deren realwirtschaftliche Relevanz gering ist.

Als Ausblick: Wie schätzt Du die Perspektive für die deutsche Wirtschaft und ihrer Kunden vor dem Hintergrund der Pandemie ein?

Johannes Anschott: Die deutsche Wirtschaft ist bislang insgesamt relativ gut durch die Krise gekommen. Das ist wirklich erfreulich. Dies gilt insbesondere für unsere Unternehmenskunden, die überwiegend in besonders zukunftsfähigen Branchen tätig und finanziell solide aufgestellt sind. Natürlich gab es auch bei uns die eine oder andere Ratingverschlechterung, aber das waren netto betrachtet wenige Einzelfälle. Wir stellen in unserem Kreditportfolio bislang auch nahezu keine pandemiebedingten Ausfälle fest.

Für die nähere Zukunft bin ich deshalb insgesamt vergleichsweise positiv gestimmt und teile die Ansicht der Bundesbank, wonach aufgrund der abflauenden Pandemie die Konjunktur deutlich anziehen wird und Deutschland vor einem starken konjunkturellen Aufschwung steht. Von der anhaltend starken Nachfrage nach Investitionsgütern und umweltfreundlichen Technologien, vor allem aus Asien sollten unsere Kunden in besonderem Maße profitieren.