Gefragt, gesagt.
BayernLB

Gefragt, gesagt.

Dominik Üffing begleitet mit seinem Team die Automobil- & Logistikbranche. Im Gespräch erklärt er, was die zentralen Treiber und Handlungsfelder sind und wie die BayernLB den Weg tiefgreifender Transformation begleitet.

Gefragt, gesagt.

Gespräch mit Dominik Üffing, Sector Head Automobil & Logistik bei der BayernLB.

Dominik, die Mobilitätsbranche ist in Bewegung, so auch im Bereich „Automotive“. Elektromobilität, autonomes bzw. vernetztes Fahren sowie Shared Services sind hier nur einige Schlagworte. Wo siehst du die wichtigsten Treiber bzw. Handlungsfelder im Transformationsprozess?

Im Großen und Ganzen steht die Automobilindustrie als bedeutender Wirtschaftszweig bereits seit Jahren vor enormen Herausforderungen durch die häufig mit Connected-autonomeous-shared-electrified, kurz als CASE beschriebenen Innovationsfelder. Große Investitionsnotwendigkeiten machen es der Industrie insbesondere im Kontext der Corona-Pandemie nicht leichter. Aber: Allein die europäische Automobilindustrie investiert jedes Jahr rund 60 Mrd. Euro in Forschung & Entwicklung - einen Großteil davon in alternative Antriebe. Und die Entwicklungen zeigen eindrucksvoll, wie technische Innovationen Ihre Wirkung entfalten. So ist die Zahl der neu zugelassenen PKW mit reinem Elektroantrieb allein in 2020 verdoppelt worden. Klar ist auch, dass die genannten Automobiltrends noch relativ am Anfang Ihrer Entwicklung stehen. Es bedarf weiterer Investitionen, um die Markteinführung innovativer Produkte erfolgreich zu gestalten.

Als ein Schlüsselfaktor für Klimaneutralität wird immer wieder die Rolle der Automobilindustrie genannt. Wo stehen wir hier?

Die Bedeutung der Automobilindustrie zur Erreichung der Klimaziele wird deutlich, wenn man sich vergegenwärtigt, dass derzeit rd. 10-15 Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes auf die Automobilindustrie entfällt. Mit den CO2-Flottenrichtwerten für die Automobilhersteller, dem jüngst in Deutschland beschlossenen neuem Klimaschutzgesetz und den neuesten Forderungen der EU unter „Fit for 55“, zeichnet sich ein zunehmend ambitioniertes Klimaschutzprogramm ab: Bis 2030 sollen im Vergleich zum Jahr 1990 in der EU mindestens 55 Prozent, in Deutschland sogar 65 Prozent, des CO2-Ausstoßes eingespart werden. Für die Automobilindustrie heißt das: Bis 2030 sollen europaweit mindestens 30 Millionen emissionsfreie Autos auf die Straße kommen – 10 Mal mehr als heute. Es ist also noch ein weiter Weg zu gehen, aber wir sind gut unterwegs.

Ein Knackpunkt ist dabei die Ladeinfrastruktur – wie sieht es da aktuell aus?

Mit Blick auf die derzeitige Ladeinfrastrukur wird deutlich, dass der sogenannte „Green Deal“ nur funktionieren kann, wenn die Elektrofahrzeuge auf eine gut funktionierende und gut ausgebaute Ladeinfrastruktur treffen. Dies gilt für öffentliche Ladepunkte, private Ladesäulen zu Hause und am Arbeitsplatz. Die EU-Kommission hat zur Erreichung der CO2-Ziele bis 2030 errechnet, dass mindestens drei Millionen öffentliche Ladepunkte plus die zehnfache Anzahl im privaten Umfeld in Europa notwendig sind. Derzeit gibt es rund 230.000 öffentliche Ladepunkte in Europa, davon etwa 20 Prozent in Deutschland. Das heißt: Es müssen allein hierzulande wöchentlich rund 2.000 Ladepunkte errichtet werden – ein ambitioniertes, aber alternativloses Ziel.

Schauen wir uns die Logistikbranche genauer an: Was sind hier die zentralen Treiber?

Insbesondere im Industrieland Deutschland gibt es mit Blick auf die Logistikbranche eine eng verwobene Verbindung mit dem verarbeitenden Gewerbe und dem Handel. Für die Logistik sind die in vielen Bereichen vorzufindenden disruptiven Veränderungen Herausforderung und Chance zugleich. Der tiefgreifende Wandel hin zu mehr Digitalisierung in der Industrie fordert die Logistikbranche nicht nur in Form einer Anpassung an Veränderungen, sondern verlangt vielmehr einen effizienten Beitrag dazu. Die Logistik muss mit der industriellen Digitalisierung Schritt halten. Wesentliche Treiber sind hier die sogenannte Logistik 4.0, die Vernetzung und natürlich auch der Beitrag zur Erreichung der Klimaschutzziele nach dem Pariser Klimaabkommen.

Du hast Logistik 4.0 erwähnt. Wie kann diese zur Klimaneutralität beitragen?

Diese folgt ganz grundsätzlich der Industrie 4.0 und dem Internet of things, in dem sich Maschinen selbst koordinieren, Montageroboter kooperieren und mit Menschen in intelligenter Weise zusammenarbeiten. Die Logistik 4.0 schließt an diesem Automatisierungs- und Digitalisierungsprozess als „Querschnittsfunktion“ logisch an. Damit kommt ihr eine besondere Bedeutung in der Vernetzung logistischer Prozesse zu und führt zu mehr Produktivität, Effizienz und Transparenz in den Lieferketten der Unternehmen - wie unter anderem Tracking & Tracing. Langfristig werden Waren bzw. Ladungen selbst intelligent werden und ein enormes Innovations-bzw. Effizienzsteigerungspotential bieten. Mit Blick auf die Erreichung der Klimaschutzziele werden alternative Antriebskonzepte noch deutlicher an Bedeutung gewinnen. Dies zeigen auch die jüngsten Entwicklungen der großen LKW-Hersteller insbesondere auch im Bereich des Aufbaus einer funktionsfähigen Ladeinfrastruktur - vor allem im Bereich von Nutzfahrzeugen im Liefer- und Verteilerverkehr auf der Straße. Hier können auch alternative Kraftstoffe oder der Wasserstoffantrieb zu mehr Nachhaltigkeit im Güterverkehr beitragen.

Wie siehst du Lieferketten der Zukunft? Wie stark wird Corona dazu beitragen, die industriellen Wertschöpfungsketten zu überprüfen und widerstandsfähiger zu machen?

Neben der Luftfahrtindustrie ist die Automobilindustrie vergleichsweise am stärksten von globalen Lieferantenstrukturen abhängig. Dennoch ist und bleibt ein professionelles Management der Supply Chain die große Kernkompetenz der Automobilbranche, die zugegebenermaßen während der Pandemie auf eine harte Probe gestellt wurde. Folglich denken sowohl Automobilhersteller als auch Zulieferer zumindest in Teilen der Lieferkette über Möglichkeiten nach, die Wertschöpfungs- und Lieferketten resilienter zu machen. Klar ist: Unternehmen müssen ein neues Gleichgewicht zwischen Just-in-time-Produktion mit möglichst schlanken Lieferketten und geringer Lagerhaltung finden und dennoch die Widerstandsfähigkeit und Krisenfestigkeit sichern.

Wo könnten die Unternehmen hier ansetzen?

Maßnahmen könnten eine detaillierte Kartierung von Unterebenen der Beschaffungsketten und deren digitale Verbindung sein, ebenso der Aufbau eigener Kapazitäten in Teilbereichen, Dual Sourcing Strategien sowie der Aufbau von Lagerbeständen oder allgemein die Stärkung der Bilanzen sein. In jedem Fall hat die Corona-Pandemie die extremen Abhängigkeiten der Hersteller- und Zulieferindustrie von nachhaltig stabilen Beschaffungs- und Wertschöpfungsketten offengelegt, zum Beispiel auch durch den starken Nachfrageanstieg anderer Industriezweige nach Halbleitern.

Wie weit ist die Branche generell in Bezug auf das Thema Nachhaltigkeit aufgestellt? Und wie können wir als BayernLB z.B. mit nachhaltigen Finanzierungen, dabei unterstützen?

Nachhaltigkeit steht für alle Beteiligten – sowohl im Bereich Automobil als auch im Bereich Logistik – ganz oben auf der Agenda. Insbesondere durch die gesellschaftlich- und politisch implentierten Rahmenbedingungen haben sich die Beteiligten der nachhaltigen Erreichung der Klimaziele verschrieben und dies ist auch so in den Unternehmensleitsätzen verankert. So haben sich beispielsweise die großen europäischen Automobilhersteller jüngst verstärkt zu Flottenelektrifizierungszielen und entsprechenden Zukunftsstrategien geäußert. Wir als BayernLB begleiten unsere Kunden als verlässlicher Partner mit tiefer Branchenexpertise und gestalten als Fortschrittsfinanzierer den Wandel in der Branche mit. Dies tun wir schon heute beispielsweise durch unsere Begleitung im Bereich ESG-konformer Kapitalmarkt- und Finanzierungstransaktionen.