Überhaupt nicht langweilig: TUM Boring - Innovation in Tunneling e.V.
BayernLB

Überhaupt nicht langweilig: TUM Boring - Innovation in Tunneling e.V.

Nach dem Sieg des Teams von „TUM Boring – Innovation in Tunneling e.V.“ beim Tunnelbohr-Wettbewerb von Elon Musk: Daniel Pflüger, Finanzvorstand des Vereins, im Interview mit der BayernLB.

Daniel Pflüger, Finanzvorstand, (rechts im Bild) und Moritz Diekhöner, Social Media & Marketing

© Team TUM Boring

Das von der BayernLB unterstützte Team von „TUM Boring – Innovation in Tunneling e. V.“ ist aus dem Finale des Wettbewerbs „Not-a-Boring-Competition“ am 12. September 2021 in Las Vegas als Sieger hervorgegangen. Daniel Pflüger gehört dem studentischen Team an, das sich zum Ziel gesetzt hat, gemeinsam mit der Technischen Universität München die schnellste Tunnelbohrmaschine der Welt zu bauen. Er verantwortet im Vorstand des Vereins das Ressort Finanzen. Neben seinem Studium arbeitet Daniel Pflüger als Werkstudent bei der Real I.S. AG, einem Tochterunternehmen der BayernLB.

Daniel, herzlichen Glückwunsch zu Eurem Sieg! Hat Euch Elon Musk auch zu Eurem Erfolg gratuliert?

Elon Musk hat per Twitter auf den Siegerpost des Veranstalters "The Boring Company" mit "Nice Work" kommentiert. Ein persönliches Gratulieren fand leider nicht statt, im Gegensatz zu den Hyperloop-Wettbewerben war Elon Musk nicht persönlich anwesend.

Wie habt Ihr die Competition Week und den Finaltag empfunden?

Die Competition Week verging unglaublich schnell. Es gab immer etwas zu tun, Hilfe wurde eigentlich immer gebraucht und an den Abenden gab es meistens auch noch ein wenig Abwechslung in Las Vegas, da das Wettbewerbsgelände immer pünktlich um 17:00 Uhr geschlossen wurde und nicht weiter an den Maschinen gearbeitet wurden durfte. Wir haben noch viele Kleinigkeiten erledigen können, hatten ein wenig Zeit, die Maschinen und Mitglieder der anderen Teams kennenzulernen, und haben die studentische, gemeinschaftliche Atmosphäre sehr genossen. Der wenige Schlaf gepaart mit den oftmals sehr stressigen Phasen war auf Dauer natürlich auch sehr anstrengend. Die Woche verging wie im Flug, und der Finaltag war schneller da als gedacht. Am Tag des Finales war die Stimmung natürlich angespannt, wir gingen mit ein wenig Verzögerung an den Start und waren aber eines der wenigen Teams, welche die "Safety Briefings" (Abarbeitung aller Sicherheitsvorschriften) bestanden hatten und letztendlich damit am Finaltag eigenständig bohren durften. Über den Tag hinweg kristallisierte sich heraus, dass nur sehr wenige Teams tatsächlich in der Lage sein werden zu bohren, da deren Maschinen oftmals ungetestet oder unfertig waren. Letztendlich waren wir das einzige Team, das es geschafft hat, eine wettbewerbsfähige Maschine starten zu lassen. Als wir dann als Gewinner feststanden, war die Erleichterung natürlich groß. Gefeiert wurde an dem Tag aber nicht groß, da alle viel zu müde und ausgelaugt waren. Dafür wurden dann die folgenden Tage genutzt, auch wenn tagsüber natürlich aufgeräumt werden musste.

Wie lange haben die Vorbereitungen auf den „großen Tag“ gedauert und wie intensiv waren sie?

Summa summarum etwa ein Jahr. Das inkludiert den Aufbau des Teams, das Planen und konstruieren der Maschine und natürlich den Bau und das Testen. Die letzten Tage vor dem "Final Design", die letzten acht Wochen vor dem Verschiffen der Maschine und die drei Wochen der Vorbereitung der Maschine hier in den USA waren sicherlich eine der stressigsten Zeiten. Hier haben viele aus unserem Team einige Nachtschichten gemacht, damit alles rechtzeitig fertig wird.

Wie kommt man eigentlich auf die Idee, an diesem Wettbewerb teilzunehmen?

Für mich war es die Möglichkeit, eine Organisation, in unserem Fall ein Verein, von Grund auf mit auf zu bauen, das Team auf über 60 Mitglieder wachsen zu sehen und persönlich über sich hinaus zu wachsen. Ich habe in der Zeit unglaublich viel gelernt und konnte bei fachspezifischen Fragen, zum Beispiel bezüglich der Buchhaltung, auch in der Real I.S. AG jederzeit Unterstützung finden. Für unsere Techniker ist dies natürlich auch eine super Chance gewesen, das Gelernte in der Praxis umzusetzen, den eigenen Ideen freien Raum zu geben und diese mit anderen zu diskutieren. Für viele war es während der Corona-Zeit sicher auch eine super Möglichkeit, etwas mit der vielen Zeit zuhause anzufangen. Die ersten Monate von TUM Boring waren remote, und man hat dennoch viele neue Leute kennengelernt in dieser Zeit.

Wie funktioniert „Teamwork“ in einem solchen Megaprojekt, vor allem auch in Zeit von Corona?

Es war sicher nicht einfach in Zeiten von Corona, aus den vielen Studierenden, die sich vorher nicht kannten, ein Team zu formen. Das digitale Miteinander macht es deutlich schwerer, die Kollegen wirklich kennenzulernen. Wir haben digitale Teamevents veranstaltet, aber auch, sobald die Corona-Regeln dies zuließen, uns in kleineren Gruppen getroffen. Damit haben wir versucht, aus einer Truppe interessierter Studierender ein wirkliches Team zu formen. Spätestens in der Werkstatt, als dann an der Maschine gebaut wurde, hat man sich wirklich kennengelernt, nachdem man gemeinsam stundenlang zusammengearbeitet hat. Oftmals haben wir auf unserem Testgelände unter freiem Himmel die Tage noch mit einem Grillabend ausklingen lassen, sodass das Technische mal nicht der Mittelpunkt der meisten Gespräche war. Auch wenn das bei so vielen Ingenieuren sicher nicht einfach ist.

TUM Boring Tunnelbohrmaschine (TBM)

© Team TUM Boring

Sicherlich hattet Ihr auch Hürden zu nehmen und mit Widerständen zu kämpfen. Was waren die größten Herausforderungen?

Unser größter Gegner war sicherlich die Zeit. All das in so kurzer Zeit hätten die wenigsten für möglich gehalten. Ein solches Vorhaben auf über 60 Mitglieder zu skalieren, in wenigen Monaten eine Tunnelbohrmaschine mit wenig bis keinem Vorwissen zu konstruieren und selber zu bauen, war sicherlich eine Mammutaufgabe. Die größte Hürde war das "Final Design". Hier mussten wir eine fertig konstruierte Maschine vorweisen, um dann in die nächste Runde zu kommen. Viele von uns haben in den Wochen vor der Deadline nur sehr wenig geschlafen, um dieses Dokument fertig zu stellen. Aus meiner Sicht war es sicherlich das Finanzieren des ganzen Vorhabens. Eine solche Maschine zu bauen, ist nicht günstig, vor allem spezielles Equipment kann sehr teuer werden. Die rechtlichen Rahmenbedingungen in so kurzer Zeit zu schaffen und genug Unterstützung von Sponsoren einzuholen, war sicherlich auch eine große Herausforderung. An dieser Stelle möchte ich mich bei der BayernLB für die großzügige und unkomplizierte Unterstützung bedanken! Da ich persönlich bei der Real I.S. AG, einer Tochter der BayernLB, als Werkstudent arbeite, hat mich dies natürlich umso mehr gefreut.

Wie geht es mit TUM Boring und für dich persönlich weiter?

Die Maschine wird jetzt erstmal zurück nach Deutschland verschifft und hier gelagert. Es hat sich bereits angedeutet, dass es eventuell eine zweite Generation des Wettbewerbs geben wird, und TUM Boring wird sicherlich wieder daran teilnehmen wollen. Im Umfeld der Münchner Universitäten lassen sich immer motivierte Studenten finden, die an einem solchen Projekt teilnehmen wollen. Ich persönlich werde das Geschäftsjahr natürlich noch bis zum Ende begleiten. Für mich steht im nächsten Semester jedoch auch die Bachelorarbeit an, sodass ich wieder mehr Zeit für die Uni brauchen werde und somit wieder eine ausgewogenere Balance zwischen Uni und TUM Boring anstrebe. Ich habe eine unvergessliche Zeit hinter mir und bin sehr dankbar für alles, was ich währenddessen gelernt habe. Zudem ist das Team immer enger zusammengewachsen, sodass man mit vielen neuen Freunden auf die Zeit zurückschauen kann.