Ökonomische Nachhaltigkeit: Strategie für Unternehmen
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Ökonomische Nachhaltigkeit: Strategie für Unternehmen

Unternehmen müssen sich rüsten: Die EU-Taxonomie und ESG-Vorschriften machen eine Nachhaltigkeitsstrategie unvermeidbar. Wie geht das?

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Nachhaltiges Wirtschaften erfordert eine Nachhaltigkeitsstrategie

Viele Unternehmen in Deutschland und weltweit befinden sich aktuell im Zugzwang. Sie stehen vor der Herausforderung, den Klimawandel einzudämmen, zumindest aber die globale Erderwärmung auf unter 2 Grad Celsius „im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter“ einzuschränken – das ist das Ziel des Pariser Klimaabkommens von 2015. Um das zu schaffen, muss die sogenannte „Treibhausgas-Neutralität'' in Deutschland bis 2045 erreicht werden : Es dürfen nicht mehr schädliche Treibhausgase ausgestoßen werden, als die Wälder der Atmosphäre entziehen können. Zur Abmilderung des Klimawandels müssen insbesondere Finanzströme nachhaltig umgeleitet werden. Aktuell reicht die Höhe der Finanzströme, die in den Klimaschutz fließen, noch nicht aus.

Um das Ziel der Treibhausgasneutralität zu erreichen, beschloss die Europäische Union 2019 den Green Deal: Bis 2030 müssen die Treibhausgasemissionen um 65 Prozent gegenüber 1990 reduziert werden, bis 2050 soll Europa der erste klimaneutrale Kontinent sein. Ein zentraler Bestandteil des Plans ist ein einheitliches Klassifizierungssystem für ein nachhaltiges Finanzwesen, die sogenannte EU-Taxonomie. Sie definiert, was nachhaltiges Wirtschaften für Unternehmen bedeutet und welche Bedingungen dafür erfüllt sein müssen. Im Fokus stehen dabei zunächst Aktivitäten, die auf die sechs in der Taxonomie vereinbarten Umweltziele einzahlen. Wenn ein Unternehmen mit seinen Aktivitäten beispielsweise einen wesentlichen Beitrag zu einem der Umweltziele (derzeit Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel) leistet,

  • einen wesentlichen Beitrag zu einem der Umweltziele (derzeit Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel) leistet,
  • dabei keines der anderen Umweltziele beeinträchtigt (wie Kreislaufwirtschaft und Biodiversität),
  • zusätzlich Mindeststandards für Arbeits- und Menschenrechte einhält
  • und spezifische technische Bewertungskriterien erfüllt, dann entsprechen seine Aktivitäten der EU-Taxonomie.

Um sicherzustellen, dass Unternehmen diesen Vorgaben Folge leisten, müssen sie viele Informationen über ihr Handeln offenlegen. Das Ziel: Investoren und Investorinnen können so direkt erkennen, wie nachhaltig ein Unternehmen ist und nachhaltig investieren. Auch Banken – wie die BayernLB – müssen offenlegen, wie viel Prozent ihrer Finanzierungen konform zur EU-Taxonomie sind.

Momentan betrifft die Regulierung nur große und kapitalmarktorientierte Unternehmen, die dem CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetz unterliegen. Doch das wird sich bald ändern. Patricia Posch, Expertin für strategische Nachhaltigkeit bei der BayernLB, bemerkt den Wandel bei ihrer täglichen Arbeit: „Seit dem Pariser Klimaabkommen ist Nachhaltigkeit für Unternehmen kein Nice-to-Have mehr, sondern wird zunehmend zum Must-have. Das wird regulatorisch durch die Gesetzgebung forciert. Es gibt nach der neuen Corporate Sustainability Reporting Directive (kurz CSRD) ab dem Geschäftsjahr 2024 auch für mittelständische Unternehmen eine Pflicht zur Nachhaltigkeitsberichterstattung. Das stellt den Mittelstand vor große Herausforderungen, denn viele Unternehmen beginnen erst damit, sich mit Nachhaltigkeit und den Auswirkungen auf ihr Geschäftsmodell auseinanderzusetzen.”

Wie wird die strategische Basis für Nachhaltigkeit im Unternehmen gelegt?

Weil das Thema so wichtig für die BayernLB ist, hat sie eine eigene Stabseinheit für das Thema Nachhaltigkeit eingerichtet, zu der auch Patricia Posch gehört. Geleitet wird die Einheit von Franz Dohnal. Er ist verantwortlich bei der BayernLB für Compliance und Nachhaltigkeit. Wichtig ist dem Chief Sustainability Officer, dass Nachhaltigkeit nicht nur als Compliance-Übung verstanden wird: „Das Wichtigste bei der Nachhaltigkeit ist, auch die Chancen am Markt zu sehen. Durch die Veränderungen in der Regulatorik wird der Markt aufgerüttelt.

Wir haben die beiden befragt: Was müssen Unternehmerinnen und Unternehmer heute wissen, um nachhaltig zu werden – und den strengen Standards der EU-Taxonomie zu entsprechen? Und wie schaffen sie es, zukünftig über ihre Nachhaltigkeit zu berichten – das schreibt nämlich die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) künftig vor.

1. Die Analyse

„Als erstes macht man eine Analyse”, meint Franz Dohnal. Um klimarelevante Chancen und Risiken zu betrachten, sollten Sie zwei Perspektiven einnehmen: die Inside-out-Perspektive und die Outside-in-Perspektive.

Bei der Inside-out-Perspektive „muss man überlegen, was stellt das Thema Nachhaltigkeit mit mir an, was kommt von meinem Umfeld oder von meiner Umwelt auf mich zu? Dabei geht es um Risiken, aber natürlich auch um zusätzliche Chancen,” so Franz Dohnal.

Die Outside-in-Perspektive bezeichnet die Analyse der Chancen und Risiken, die sich durch den Klimawandel und die Aktivitäten zum Klimaschutz für das eigene Unternehmen ergeben:

„Ich muss überlegen, welchen Beitrag leiste ich – im Positiven wie im Negativen. Also beispielsweise: Welche Umweltbelastungen verursache ich? Aber auch: Welche Produkte kann ich herstellen, um das zu verbessern?

Das ist der erste Schritt, um eine sogenannte Wesentlichkeitsanalyse zu erstellen. Analysieren Sie genau Ihren Impact und Ihr Risiko.

2. Der Bericht

Ihre Nachhaltigkeitsberichterstattung sollte klar und transparent sein. Für viele Unternehmen ist Unterstützung in diesem Bereich hilfreich. Sie sollten verstehen, auf welche Fragen Sie Antworten liefern müssen – und eine Strategie haben, wie Sie diese bekommen. Dazu ist es zunächst einmal wichtig, sich ein Bild über den aktuellen Status Quo zu machen. Blicken Sie genau auf Ihre eigene Wertschöpfungskette:

  • Wie hoch sind meine direkten und indirekten CO2-Emissionen und wo gibt es Ansatzpunkte, diese zu reduzieren?
  • Wie ist meine Kundschaft vom Klimawandel betroffen und welche Auswirkungen hat das auf die Nachfrage nach unseren Produkten?
  • Wie anfällig sind unsere Zulieferer und Lieferwege gegenüber physischen und transitorischen Risiken?
  • Wie gefährdet sind unsere Standorte hinsichtlich der Folgen des Klimawandels, z.B. bei häufigeren Überschwemmungen oder bei Dürre.

Die Informationen, die Sie für Ihren Bericht brauchen, gehen in die Tiefe. Je nach Industriesektor und Position inder Wertschöpfungskette ergeben sich aus dieser Analyse Chancen und Risiken, die sich durch steigende Energie-, Rohstoff-, Transport - oder Reputationsrisiken äußern. Hier machen Sie transparent, wie Ihr Unternehmen auf die analysierten Chancen und Risiken reagiert und welche Mitigationsmaßnahmen Sie daraus ableiten.

3. Das Rating

Schritt drei ist das Nachhaltigkeitsrating durch eine Ratingagentur. Insbesondere für Unternehmen, die auch am Kapitalmarkt tätig werden wollen, ist das ein Muss. Dazu – sowie zu Themen wie Fördermitteln, Klimarisikoanalysen oder ESG-Finanzierungen – beraten wir Sie gerne .

Greenwashing vermeiden: Authentische Nachhaltigkeit im Unternehmen

Nachhaltigkeitsstrategie und Nachhaltigkeitsbericht sind gute Instrumente, um offen über Themen wie den CO2-Fußabdruck zu sprechen. Und natürlich können Unternehmen auch getrost nach außen kommunizieren, wie viel nachhaltiger sie inzwischen sind. Nur eine Gefahr steht ihnen dabei im Weg: Der Vorwurf: „Ihr betreibt ja bloß Greenwashing”. Greenwashing meint, dass sich Unternehmen umweltbewusster und umweltfreundlicher darstellen, als sie es tatsächlich sind. Mal verdient und mal unverdient trifft dies immer wieder Unternehmen. Zum Beispiel, wenn sie sich im Marketing plötzlich von einer ganz besonders grünen Seite zeigen – aber keine Beweise für die Nachhaltigkeit präsentieren können."

Der Tipp der Expertin, um Greenwashing zu vermeiden? Glaubwürdig, offen und transparent darüber berichten, was Sie beim Thema Nachhaltigkeit schon tun, und dabei ebenfalls zentrale Herausforderungen, ungelöste Probleme und Zielkonflikte adressieren. „Damit mache ich mich im Zweifel gegenüber der Öffentlichkeit angreifbar. Aber langfristig gesehen ist es trotzdem der bessere Weg. Denn: Gerade die Öffentlichkeit wird zunehmend kritischer. Als Unternehmen kann ich davon ausgehen, dass mir unglaubwürdige Themen am Ende auf die Füße fallen”, meint Patricia Posch.

Sie wollen mehr wissen – und die persönlichen Beweggründe für die Jobwahl unserer beiden Experten erfahren? Dann hören Sie doch mal in unseren BayernLB-Podcast.

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