BayernLB

Aber bitte mit Sahne

Die „Genuss-Molkerei“. So nennt sich das bayerische Familienunternehmen Zott. Wir haben uns vor Ort davon überzeugt, was damit eigentlich gemeint ist. Von Ute Klein

„Hinein ins Weekendfeeling!“ Der Werbejingle aus den 80ern ist immer noch unvergessen.Und kaum eine Botschaft beschreibt wohl treffender, was die bayerische Molkerei Zott mit ihren Produkten erreichen will. Jede Menge Genuss! Und zwar mit Sahne.

„Die Light-Welle ist durch“, sagt Anton Hammer, Geschäftsführender Direktor Finanzen und Service bei dem Familienunternehmen mit Stammsitz im bayerischen Mertingen, eine der führenden Molkereien in Europa. „Die Verbraucher sind zwar noch immer ernährungsbewusst, aber längst nicht mehr so spaßbefreit wie noch vor ein paar Jahren. Lieber schlemmen sie heute mit Lust einen Sahnejoghurt, als drei Mager-Produkte in sich hineinzulöffeln. Der Genuss hat einen deutlich höheren Stellenwert bekommen.“

Mit seinem Markenversprechen „Genuss-Molkerei“ liegt Zott da genau richtig. Allerdings sind auch die Preise, die das Unternehmen für seine Hauptrohstoffe zahlen muss, nicht gerade auf Diät. „Vor allem Milchfett ist teuer geworden. Die Preise dafür haben sich seit vorigem Jahr mehr als verdoppelt“, sagt Hammer.

„Mit unseren gehaltvollen Produkten aus der Sahnejoghurt- und Zott Monte-Familie sind wir von dieser Entwicklung natürlich besonders betroffen.“

Der Milchpreis an sich unterliegt einer starken Volatilität. Nach sehr mageren Jahren hat er mittlerweile deutlich angezogen. Zum Vorteil der Bauern, zum Nachteil der Molkereien. Durchschnittlich 35,9 Cent pro Kilo kostete die Milch mit vier Prozent Fett und 3,4 Prozent Eiweiß im Juli 2017 – gegenüber 2009 ein Preisanstieg von gut 33 Prozent. „Den deutschen Erzeugern geht es wieder besser“, meldet der Milchindustrie-Verband.

Setzen auf Genuss: Christine Weber und Anton Hammer von Zott

© Elias Hassos

Also alles in Butter in einer Branche, die sich in der Vergangenheit zoffte, wie es nur zerstrittene Ehepartner können? Ist der viel beschworene „faire Milchpreis“ damit endlich Wirklichkeit geworden und der von den Bauern geforderte „Mindestlohn für Kühe“ durchgesetzt? „Den Wunsch nach einem fairen Milchpreis für alle Beteiligten können wir nachvollziehen“, sagt Christine Weber, Geschäftsführende Direktorin und Vorsitzende des Verwaltungsrats bei Zott. „Aber eine für alle gültige Definition gibt es nicht. Selbst innerhalb Bayerns gehen die Vorstellungen unter den Landwirten, wie hoch der Milchpreis mindestens zu sein hat, weit auseinander. Eine staatliche Regulierung des Marktes kann deshalb auch keine Lösung sein.“

Das sieht der Deutsche Bauernverband (DBV) im Übrigen ganz genauso. Milchpräsident Karsten Schmal forderte erst jüngst, die Milchbauern und ihre Molkereien sollten die Gestaltung der Lieferbeziehungen untereinander diskutieren. „Ich sehe erhebliche Chancen in der Etablierung von Branchenplattformen, die konstruktiv gemeinsame Projekte vorantreiben“, sagt er und erteilt einer politischen Einmischung damit eine klare Absage.

Man wird sich im Einzelfall also immer wieder zusammenraufen müssen, so wie ein gutes altes Ehepaar, das manchmal miteinander streitet, aber nicht ohneeinander leben will. „Wir setzen sehr erfolgreich auf Werte wie Kontinuität im Sinne von Zuverlässigkeit, Geschäftspartnerschaft auf Augenhöhe und Ehrlichkeit“, sagt Weber. „Auch bei schwierigen Themen stellen wir uns der Diskussion. Wenn wir als Unternehmen dann auch noch Zukunftsfähigkeit beweisen, sehen die Milcherzeuger in uns einen interessanten und langfristigen Vertragspartner. Im besten Fall zeichnet Vertrauen unser Beziehungsmanagement aus.“

Nach dem Erfolg des Unternehmens zu urteilen, macht Zott damit offenbar so ziemlich alles richtig. 1926 gegründet und mittlerweile in dritter Familiengeneration geführt, stehen die Zeichen in Mertingen nach wie vor auf Expansion. „Unser Fokus liegt ganz klar auf unseren Kernmarken Sahnejoghurt, Monte, Zottarella sowie Primo und Jogobella“, sagt Finanzchef Anton Hammer. „In diesen Sortimenten wollen wir weiter wachsen.“ Die Produktion für Handelsmarken, räumt er offen ein, spiele zwar auch eine gewisse Rolle, „aber nur in vertretbarem Umfang. Auch für einen Markenhersteller wie uns gilt nun mal der Grundsatz, dass mehr Volumen die Produktion besser auslastet und die Kostenstrukturen positiv beeinflusst.“

Noch sehr viel entscheidender allerdings sind Markenwachstum, Internationalisierung und Innovation. Denn neue Produkte sind im Joghurt- und Dessertbereich der vielleicht wichtigste Erfolgsgarant überhaupt, auch wenn die Produktzyklen selbst immer kürzer werden. Es ist deshalb unabdingbar, die Marken und ihr Sortiment für die Zielgruppen attraktiv zu halten. Beim Sahnejoghurt gelingt das sehr erfolgreich mit Saisonkonzepten oder trendigen Kreationen wie der aktuellen schokoladigen Split-Edition, die es 2017 zum Topseller schaffte.

Innovation - made in Mertingen

Erfunden werden die neuen Linien im hauseigenen Entwicklungs- und Qualitätszentrum in Mertingen, dem sogenannten Technikum. Hier werden auf einer Miniproduktionsanlage die Konsumgüter von morgen getestet. Die aktuellen Verbrauchertrends stets im Blick, dürfen interessierte Mitarbeiter kosten, was danach in den Handel gehen soll – vom Lehrling aus der Produktion bis zum Manager in der Verwaltung.

Passt der Geschmack? Wie steht es um die Konsistenz? Was macht der Geruch? Alles Fragen, die zu klären sind, bevor ein neues Produkt auf seine Reise gehen kann. So wie beispielsweise der Bratapfel-Sahnejoghurt, eine nicht mehr wegzudenkende saisonale Spezialität. Oder die Mozzarella-Rolle, eine Anregung der Firmenchefin Christine Weber selbst, die sich beim Anrichten eines Caprese-Tellers stets darüber ärgerte, dass beim Aufschneiden des Mozzarellas unschöne Randstücke übrig blieben. Also fragte sie sich, warum man nicht einfach eine Rolle davon produzieren sollte, von der sich die Scheiben leichter runterschneiden ließen. Eine einfache Idee, ebenfalls mit durchschlagendem Erfolg.

Nur leider hält eine solche Innovation nicht immer so lange wie in diesem Fall. Von den 100.000 Neuheiten, die dem Handel von den Herstellern jedes Jahr vorgestellt werden, schaffen es nach der Statistik der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) am Ende nur 40.000 in die Regale. Und von denen können sich wiederum nur 13.000 Produkte über zwei Jahre halten. „Wir bewegen uns in einem sehr kurzlebigen Geschäft“, sagt Anton Hammer. „Zudem lässt sich eine Produktidee auch nicht wirklich schützen. Verfahrenspatente oder Design bis zu einem gewissen Grad, aber nicht Produkte als solche.“

Innovationsstärke ist bei Zott deshalb eine ständige Herausforderung. Und dabei dürfen auch die Kunden selbst mitreden. „Im Frühjahr 2016 haben wir mit Monte White zum ersten Mal eine nutzergenerierte Produktidee umgesetzt“, sagt Hammer. „Der Wunsch nach einem Becher voller weißer Milchcreme wurde schon länger durch die Verbraucher an uns herangetragen. Das haben wir ernst genommen und reagiert. Im April 2016 kam das Dessert dann auf den Markt und war in vielen Läden bereits nach wenigen Tagen ausverkauft.“

Im Sortiment ist der Artikel bis heute. Und ein Beispiel dafür, wie die Kunden selbst für ihre Lieblingsgeschmäcker voten können. Open Innovation, made in Mertingen.

Ohnehin ist Monte einer der Renner unter den Zott-Produkten. Eine Marke, in die das Unternehmen bis heute konsequent investiert. So wurde erst im Sommer 2017 das neue Werk für den Monte Snack eröffnet. Ein neues Gebäude, eine neue Produktionsanlage inklusive Backstraße. Und auch ein Novum für die Molkerei. Zum ersten Mal stellt Zott nun auch die Backprodukte selbst her, eben die Biskuit-Kuchenschnitte, die mit den Cremes aus Schoko-Haselnuss und Milch befüllt wird. So bleibt die Qualitätskontrolle für das gesamte Produkt in einer Hand. Frei nach dem Motto: Steuere selbst, was du steuern kannst.

Das neue Werk ist sogar für die anlagenintensive Molkerei riesig. Aber keineswegs die einzige Investition in diesem Jahr. Die Käserei am Standort Günzburg hat im Rahmen einer Modernisierung neue Produktionsanlagen erhalten, finanziert über die BayernLB. Und auch der Asset-Deal, mit dem Zott den langjährigen Distributionspartner Delys in Vietnam im Juli 2017 übernahm und damit den nach Singapur zweiten Vertriebsstandort in Fernost eröffnete, hat natürlich Geld gekostet.

„Gut drin, gut dran, gut drauf“: In Vietnam ist Monte von Zott ein sehr beliebtes Dessert. Ein Grund für einen weiteren Vertriebsstandort in Fernost

© Zott SE & Co KG

Produziert wird weiter in Deutschland. In Kühlcontainern geht die Ware dann per Schiff nach Vietnam, dank keimfreier Abfüllung kein Problem. Den aufwendigen Transportweg nehmen die Zott-Manager dafür gerne in Kauf, weil das Gütesiegel „Made in Germany“ in Asien ein wichtiges Verkaufsargument darstellt. Und keineswegs das einzige. Auch Essgewohnheiten spielen auf den Auslandsmärkten eine wichtige Rolle. Weil Zott Zertifkate für Koscher- und Halal-Produkte vorweisen kann, sichert sich das Unternehmen Wettbewerbsvorteile. „Wenn es der Markt hergibt und wir davon überzeugt sind, dass wir bestimmte Produkte etablieren können, gehen wir dahin“, erläutert Hammer die Expansionsstrategie.

Schon 56 Prozent seines Umsatzes erwirtschaftet Zott im Ausland. Nur die Unternehmenszentrale, die im Ortskern von Mertingen bis 2020 neu entstehen soll, bleibt auch künftig in Bayern. „Hier kommen wir her, hier gehören wir hin“, sagt Christine Weber und gibt damit ein deutliches Standortversprechen ab.

Werte wie Verbundenheit und Verantwortung sind für sie keine leeren Worte. Das manifestiert sich sehr deutlich in dem Nachhaltigkeitsprogramm „Zott Caring for Life“. Ein Corporate-Responsibility-Konzept, das sich über die gesamte Wertschöpfungskette erstreckt – von den Bereichen Rohstoff und Umwelt über Qualität und Sicherheit bis hin zu den Mitarbeitern und der Gesellschaft als Ganzes.

Ein auditiertes Energiemanagement ist heutzutage für viele Unternehmen selbstverständlich. Ebenso wie präventive Gesundheitsförderungsprojekte. Bei Zott sind diese noch angereichert um Sport-, Sprach- und Weiterbildungsangebote. Etwa in Sachen Heilpraxis. Regelmäßig können sich die Mitarbeiter in eigens geschaffenen Räumlichkeiten bei Experten informieren. Well Working in der Praxis.

Auch Klimaschutzprojekte wie die „Plant-for-the- Planet“-Bewegung sowie die Münchner Initiative „Kinder laufen für Kinder“, die die Themen Ernährung, Bewegung und Soziales verbindet, werden von dem Unternehmen unterstützt. Und in Hinblick auf den Rohstoff Milch selbst gehen die Manager in Mertingen mit ihrem Programm „ZQL“ ebenfalls einen Schritt weiter als andere.

© Getty Images

Die Milch macht´s

Ein paar Zahlen und Daten rund um das Thema Milch

152 milchverarbeitende Unternehmen in Deutschland (Betriebe mit 50 und mehr Beschäftigen, ohne Herstellung von Speiseeis) mit 36.335 Beschäftigten erwirtschafteten 2016 einen Umsatz von 21,9 Mrd. Euro und verarbeiteten 31,3 Mio. Tonnen Milch pro Jahr. Unter anderem zu:

  • 435.600 Tonnen Magermilchpulver
  • 586.000 Tonnen Sahne
  • 516.100 Tonnen Butter*
  • 2,3 Mio. Tonnen Käse (ohne Schmelzkäse)
  • 5,0 Mio. Tonnen Konsummilch

*einschließlich Milchfett- und Milchstreichfetterzeugnisse in Butteräquivalenten

Ein Bundesbürger verzehrt im Durchschnitt

  • 52,3 kg Konsummilch
  • 24,4 kg Käse
  • 16,7 kg Joghurt
  • 6,0 kg Butter

Quelle: Infobroschüre Fakten Milch, Milchindustrie-Verband e.V. (MIV) 2017