BayernLB

Geld vom Staat

Investieren muss nicht teuer sein. Wie Unternehmen von öffentlichen Finanzierungsprogrammen profitieren können. Von Franziska Roederstein

Investieren muss nicht teuer sein. Wie Unternehmen von öffentlichen Finanzierungsprogrammen profitieren können

Es ist schon erstaunlich. Da fördert der Staat seine Unternehmen so gut er eben kann – mit günstigen Darlehen für Gründer, energieeffizientes Bauen oder Maßnahmen zur Digitalisierung – und kaum einer will das Geld haben.

Nur elf Prozent aller Start-ups nehmen öffentliche Kredite in Anspruch. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom unter gut 300 Gründern aus der IT- und Internetbranche. 66 Prozent der Befragten geben an, ihnen sei der bürokratische Aufwand zu hoch. 43 Prozent sagen, ihnen fehle ganz einfach der Überblick über die vielfältigen Förderprogramme.

Das Angebot ist in der Tat sehr reichhaltig – und zwar nicht nur für Gründer, sondern auch für alteingesessene Unternehmen. Mehrere hundert Programme, aufgelegt von der EU, dem Bund oder den Ländern, können kleine und mittlere Unternehmen (KMU) aktuell in Anspruch nehmen – für so ziemlich alles, was dem Geschäftserfolg dient.

Nur herrscht an Geld auch andernorts gerade kein Mangel. „In Zeiten niedriger Zinsen finden Fördermittel in der Betriebskalkulation nicht immer die Berücksichtigung, die sie verdienen“, sagt Albert Gruber, Leiter Fördermittelgeschäft bei der BayernLB. „Auch wenn die alte Faustregel, nach der Förderkredite in der Regel günstiger sind als Bankdarlehen, heute nicht mehr uneingeschränkt gilt, sollten Betriebe in jedem Fall prüfen, ob sie ihre Finanzierungen im Einzelfall nicht besser mit staatlichen Fördermitteln ergänzen.“

Es ist die Ausgestaltung im Detail, die den öffentlich gewährten Kredit nach wie vor attraktiv machen – nicht nur, weil er über lange Laufzeiten festverzinslich ist und die Planungssicherheit erhöht, sondern auch, weil der Staat als eine Art Business Angel besonders förderungswürdige Projekte mit hohen Tilgungszuschüssen begünstigt. Gruber: „Da geht es sehr schnell um fünfstellige Summen.“

Ohnehin sind es nicht die Zahlungskonditionen allein, die am Ende zählen. „Häufig vereinfachen die Förderbanken die Kreditgewährung, indem sie einen Teil der Haftungsrisiken übernehmen“, sagt Gruber. „Das kommt vor allem Gründern und jungen Unternehmen zugute, die noch nicht über ausreichende Sicherheiten verfügen und Projekte anschieben wollen, deren Erfolgswahrscheinlichkeit sich im Vorhinein nur schwer abschätzen lässt.“

Für nahezu alle Investitionsvorhaben gibt es geeignete Fördermöglichkeiten. Allerdings müssen die Anträge dafür grundsätzlich im Vorfeld eingereicht werden. Nachträglich gibt es keine Förderung. Die Mittel selbst stellen dann die Hausbanken bereit.

Die BayernLB fungiert in dieser Hinsicht als zentraler Dienstleister, der etwa die Kredite der LfA Förderbank Bayern, der KfW Bankengruppe oder der Landwirtschaftlichen Rentenbank durchleitet. „Wir sind bei der Antragstellung behilflich und beraten die Sparkassen, damit sie ihren Kunden das geeignete Förderprogramm schnell und ohne großen administrativen Aufwand zur Verfügung stellen können“, sagt Gruber. „Besonders gefragt sind derzeit Förderprogramme zum energieeffizienten Bauen und Sanieren sowie Programme, die Unternehmen bei ihren Digitalisierungsvorhaben unterstützen.“

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KfW Energieeffizienz Programm energieeffizientes Bauen und Sanieren

Programm-Nr. 276, 277, 278:

  • mit bis zu 17,5 Prozent Tilgungszuschuss
  • ab 1 Prozent Jahreszins

Link zum Programm

Seit 2015 fördert die KfW Bankengruppe im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) die energetische Sanierung und den energieeffizienten Neubau von gewerblichen Gebäuden. Schon ab ein Prozent Jahreszins können Unternehmen langfristige Fördermittel sowie Tilgungszuschüsse von bis zu 17,5 Prozent erhalten, wenn sie ihre Gebäude auf das Niveau eines KfW-Effizienzhauses modernisieren oder einzelne Sanierungsmaßnahmen an der Gebäudehülle umsetzen. Denn die Steigerung der Energieeffizienz und die damit einhergehende Reduktion von CO2-Emissionen kann maßgeblich dazu beitragen, dass Deutschland seine Klimaziele auch tatsächlich einhält und bis 2050 einen nahezu klimaneutralen Gebäudebestand erreicht. Im Jahr 2017 hat die KfW dafür Fördermittel in Höhe von 5,7 Milliarden Euro vergeben. Das ist gut für die Umwelt, aber auch für die Unternehmen, weil sie in der Folge ihre Energiekosten senken. Allein eine verbesserte Wärmerückgewinnung in der Fertigungstechnik kann nach KfW-Angaben bis zu 20 Prozent Ersparnis bringen. Mit Komplettsanierungen betragen die Kostenvorteile in Einzelfällen sogar bis zu 70 Prozent. Unabhängig von der Firmengröße steht das KfW-Energieeffizienzprogramm auch Freiberuflern zur Verfügung. Förderfähig sind allerdings ausschließlich Gebäude beziehungsweise Gebäudeteile, die nach Fertigstellung und Umsetzung aller Maßnahmen unter den Anwendungsbereich der Energieeinsparverordnung

(EnEV) für Nichtwohngebäude fallen. Gefördert werden Einzelmaßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz wie beispielsweise Wärmedämmung oder Beleuchtung bei bestehenden Gebäuden sowie der Neubau gewerblicher Räume nach den geltenden Effizienzstandards.Dafür müssen detaillierte Berechnungen und Bestätigungen eines Sachverständigen schon vor der Antragstellung vorliegen. „Eine technische Prüfung im Vorfeld ist Pflicht“, sagt BayernLB-Experte Gruber. „Das Bau- oder Sanierungsvorhaben muss wesentliche Energieeinspareffekte erzielen, die sich bereits vor der Antragstellung quantifizieren lassen.“

Eigens ausgebildete Energieberater, die den Unternehmen beratend zur Seite stehen finden sich hier

KfW Energieeffizienzprogramm Abwärme und Abwärme Investitionszuschuss

Programm-Nr. 294 und Zuschuss 494:

  • mit bis zu 40 Prozent Tilgungszuschuss
  • ab 1 Prozent Jahreszins

Link zum Programm

Das KfW-Förderprogramm „Energieeffizienzprogramm – Abwärme“ ist Teil des „Nationalen Aktionsplans Energieeffizienz“ der Bundesregierung. Erklärtes Ziel ist es, Abwärme zu vermeiden oder als Energieträger zu nutzen. Beides fördert der Gesetzgeber mit extrem attraktiven Tilgungszuschüssen.„KMUs erhalten bis zu 40 Prozent, große Unternehmen

bis zu 30 Prozent“, sagt BayernLB-Fördermittelexperte Albert Gruber. „Bei Maßnahmen zur außerbetrieblichen Nutzung der Abwärme kann der Tilgungszuschuss sogar bis zu 50 Prozent betragen.“ Die dafür notwendigen Umbauten zur Abkopplung und Einspeisung der Abwärme in ein bestehendes Nah- oder Fernwärmenetz werden ebenso gefördert wie der Bau von Verbindungsleitungen zum Wärmenetz. „In der Regel liegen die Renditen solcher Maßnahmen im zweistelligen Prozentbereich“, sagt Gruber.

Nutzt ein Unternehmen die Abwärme für seine internen Produktionsprozesse selbst, liegt der Vorteil auf der Energiekostenseite. „Die Höhe der Einsparung ist je nach Branche natürlich unterschiedlich, lohnt sich aber fast immer“, sagt Gruber. „Energieintensive Betriebe, beispielsweise aus der Lebensmittel- und Chemieindustrie oder im Maschinenbau profitieren besonders stark.“ Und zwar ganz unabhängig davon, ob die Unternehmen die Abwärme nun direkt zum Heizen ihrer Produktions- und Lagerhallen nutzen oder in Strom umwandeln. Die anfallenden Investitionskosten (bei einer Dampfturbine zwischen 1.100 und 1.400 Euro je installiertem Kilowatt; beim Organic-Rankine-Verfahren rund 3.000 Euro) listet das KfW-Programm ausdrücklich als förderungsfähige Maßnahmen auf. In Summe sind die Einsparpotenziale – zum Nutzen der Umwelt und der Unternehmen – gewaltig. Immerhin 1.670 Petajoule Energie, das entspricht 460 Terawattstunden, verbraucht die deutsche Industrie jedes Jahr – ungefähr so viel wie die 15-Millionen- Metropole Shanghai.

KfW ERP Digitalisierungs- und Innovationskredit

Programm-Nr. 380, 390, 391:

die Programmrichtlinien sind gerade in Überarbeitung und werden im 1. Quartal 2019 veröffentlicht

Link zum Programm

Mit dem sogenannten „Digital Economy and Society Index“ (kurz: DESI) misst die EU regelmäßig den Fortschritt ihrer Mitgliedsstaaten auf dem Weg in eine digitalisierte Wirtschaft und Gesellschaft. Deutschland schneidet nach der aktuellsten Erhebung in Summe nicht besonders gut ab und belegt nur Platz 14 in dem Ranking – noch hinter Litauen und Malta, 13 Plätze hinter dem Spitzenreiter Dänemark. Die KfW hat im Rahmen der „Tech-Growth-Fund“- Initiative der Bundesregierung ihre Förderprogramme 2017 deshalb um den Aspekt Digitalisierung erweitert. Mit dem ERP-Digitalisierungs- und Innovationskredit können Unternehmen und Freiberufler mit zweijähriger Marktpräsenz seitdem Mittel daraus beziehen und breit einsetzen – etwa für die Vernetzung von ERP – (Enterprise Resource Planning) und Produktionssysteme (Industrie 4.0), Maßnahmen zur Datensicherheit oder auch für die Entwicklung von Plattformen und Apps sowie den Ausbau des innerbetrieblichen Breitbandnetzes. Dafür übernimmt die KfW bisher eine Risikounterbeteiligung von 70 Prozent. Das Förderprogramm ist stark nachgefragt, schon im Startjahr 2017 hat die KfW Mittel in Höhe von 1,5 Milliarden Euro vergeben

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