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Adelholzener - eine Quelle des Erfolgs

Adelholzener ist ein Unternehmen sehr besonderer Art. Wie aus einer Legende eine große Erfolgsgeschichte wurde. Von Martina Trapmann

© Adelholzener

Ein klarer Spätherbstmorgen im Voralpenland – mit Raureif auf den Wiesen und einem tiefblauen Himmel darüber. Eine Landschaft, so malerisch wie aus dem Bilderbuch.

Wir stehen vor der Baustelle des neuen Hochregallagers der Adelholzener Alpenquellen GmbH im Chiemgau. Etwas verwegen streckt sich das Gebäude in den Himmel und bringt die Postkartenidylle ein bisschen durcheinander. Aber nur auf den allerersten Blick. Denn dieser scheinbare Kontrast, das lernen wir im Laufe dieses Tages, gehört zu diesem ganz besonderen Ort wie das Glockengeläut zur Kirche und der Segen zum Gebet.

Stolz verweisen Franz Demmelmair und Stefan Hoechter, zwei der drei Geschäftsführer des Mineralbrunnens, auf den Stand der umfangreichen Erweiterungs- und Umbaumaßnahmen, die seit 2017 laufen und noch in diesem Jahr abgeschlossen werden. Mit einer neuen, bereits im Regelbetrieb laufenden PET-Mehrweganlage, die 35.000 Flaschen pro Stunde füllt, einem effizienten Logistikzentrum und ebendiesem Hochregallager mit Platz für bis zu 23.500 Paletten. „Wenn wir hier fertig sind“, sagt Franz Demmelmair, „haben wir insgesamt 45 Millionen Euro in den Ausbau unseres Standorts investiert.“

Es ist der große Erfolg des Unternehmens, der die Umbauarbeiten erforderlich macht. 2018 steigerte Adelholzener seinen Absatz um über sechs Prozent und übertraf damit nochmals die an sich schon sehr guten Zahlen des Vorjahrs – natürlich auch dank der Sommerhitze. Adelholzener ist heute unangefochtener Marktführer für Mineralwasser und Erfrischungsgetränke in Bayern und exportiert seine Produkte in mehr als 20 Länder weltweit – nach Südkorea oder in die Vereinigten Arabischen Emirate. So weit die Zahlen. Aber wirklich besonders macht das Unternehmen noch etwas ganz anderes.

Auf einer kleinen Anhöhe oberhalb des modernen Unternehmenssitzes thront das vor weit mehr als hundert Jahren erbaute Schwesternheim der Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul. Es sieht beinahe so aus, als würde von dort oben über die Geschicke des Unternehmens gewacht. Und das ist tatsächlich auch der Fall. Der Orden ist hundertprozentiger Gesellschafter der Adelholzener Alpenquellen GmbH und durch den Beirat, in dem auch die Generaloberin Sr. Rosa Maria Dick sitzt, in alle unternehmerischen Entscheidungen maßgeblich eingebunden – von der Entwicklung eines neuen Produkts bis hin zur Marketingstrategie.

Erst vor gut 25 Jahren wird die GmbH gegründet. Aber die Geschichte der Adelholzener Alpenquellen beginnt schon sehr viel früher. Genau genommen, im Jahr 286 nach Christus. Damals, so sagt die Legende, hielt sich ein römischer Legionär im Chiemgau auf und entdeckte zufällig die „Quelle des Andlo“. Mit der heilsamen Wirkung des Quellwassers und Kraft seines Glaubens, so geht die Legende weiter, heilte er Kranke und half den Armen. Dafür wurde der Legionär mit Namen Primus später heiliggesprochen und gab der Quelle ihren Namen – St. Primus. Was davon stimmt, weiß keiner so genau. Aber dass die Quelle tatsächlich eine heilende Wirkung besitzt, ist von irdisch höchster Stelle attestiert – vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, das das Wasser als Arzneimittel registriert und zugelassen hat.

© Quirin Leppert

Zwischen Kirche und Kommerz

1907 kauft die Kongregation der Barmherzigen Schwestern das Kurbad Adelholzen als Erholungsort für die rund 1.500 Schwestern, die zu dem Zeitpunkt in München in der Krankenpflege arbeiten. Damit erwerben sie auch die Quelle des St. Primus, die sich in unmittelbarer Nähe des Schwesternheims befindet und noch immer kräftig sprudelt. Was früher in mühevoller Handarbeit von den Schwestern selbst erledigt wurde – 1944 füllten sie immerhin vier Millionen Flaschen von Hand ab –, übernehmen heute die sieben hochmodernen Abfüllanlagen.

Aber passt das überhaupt zusammen? Ein so erfolgreiches Unternehmen und ein katholischer Orden? Glaube und Geschäft? Ist das nicht schon vom Grundsatz her ein absoluter Gegensatz? Oder handelt es sich hier womöglich um eine sehr erfolgreiche Liaison? „Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen wir investieren. Beispielsweise in Anlagen, Werbung, Marketing und Verpackungen“, sagt Geschäftsführer Stefan Hoechter. „Damit am Ende dann ein Gewinn entsteht, mit dem wir viel Gutes tun können.“

Das ist die Idee im Geschäft von Adelholzener. Mit dem Gewinn des Unternehmens finanziert die Ordensgemeinschaft ihre sozialen und karitativen Projekte. Und das sind nicht wenige: Die Maria-Theresia- Klinik in München, das Frauenhaus Mechthild, die Klinik Neuwittelsbach und sechs Alten- und Pflegeheime sowie die Versorgung und die mobile Verpflegung Nichtsesshafter zählen dazu. Der Orden erhält keine Zuwendungen aus der Kirchensteuer, sondern finanziert seine sozialen Projekte aus den eigenen Einnahmen.

Wer nun denkt, dass ein katholischer Orden als Eigentümer eines Unternehmens bestimmt sehr konservativ agiert, erkennt spätestens beim Blick auf die Website seinen Irrtum. Jung und dynamisch transportieren dort die FC-Bayern-Stars Thomas Müller, Joshua Kimmich und Leon Goretzka die zentrale Werbebotschaft des Unternehmens: „Adelholzener – Die reine Kraft der Alpen“.

© Quirin Leppert

Bodenständig und dynamisch

„Aus unserer Sicht handelt es sich hierbei nicht um Gegensätze, die ausbalanciert werden müssen“, sagt Franz Demmelmair. „Der Orden ist seit jeher Vordenker und reagiert auf regionale, wirtschaftliche und gesellschaftliche Veränderungen. Als Unternehmen sind wir ebenso dynamisch wie traditionell aufgestellt. Der FC Bayern garantiert uns ganz einfach eine Markenbekanntheit auch weit über die Grenzen Bayerns hinaus.“

Mit Internet, Social Media, TV-Kampagnen und ganz traditionell mit Plakatierungen auf den Münchner Straßenbahnen bespielt Adelholzener die gesamte Klaviatur des modernen Media-Mix. „Immer im Fokus unserer Kommunikationsstrategie steht dabei jedoch das klare Bild der Herkunft unseres Produktes, nämlich die bayerischen Alpen. Dort, wo alles begonnen hat. Das ist unser Markenkern und hat für uns auch einen hohen Wiedererkennungswert“, sagt Stefan Hoechter.

Bodenständig und traditionell, dynamisch, hip und aktiv stellt sich die Marke ihren Zielgruppen dar, die vom Kleinkind bis zum Senior reichen. Das über 140 Artikel umfassende Sortiment bietet Heilwasser, Mineralwässer mit unterschiedlicher Karbonisierung, Saftschorlen, Limonaden, Eistees und isotonische Erfrischungsgetränke in diversen Geschmacksrichtungen an sowie das sehr trendige Active O2 mit einer extra Portion Sauerstoff, das auch in Südkorea sehr gefragt ist.

Alpencola, Himbeer-Granatapfel-Schorle, Holler Vitamin-Getränk, hier im Chiemgau gibt es kaum etwas, was es nicht gibt. Selbst Ex-Papst Benedikt XVI. zählt zu den Kunden des Unternehmens und wird in Rom beliefert. Seine Lieblingsgetränke sind laut Adelholzener neben dem traditionellen Mineralwasser die „Bleib in Form Orange“ und die Maracuja-Schorle.

„Die besondere Stärke unseres Unternehmens besteht darin, für jede Zielgruppe und jede Verwendungssituation das passende Produkt in der passenden Größe anbieten zu können“, sagt Franz Demmelmair. „Sei es nun die 0,5-Liter-Flasche beim Sport, für unterwegs, in der Schule oder die 1,5-Liter-Flasche für die perfekte Tagesration.“ Elegante und eigens für die Gastronomie designte Glasflaschen runden das Sortiment ab. Alles abgefüllt in ca. 580 Millionen Flaschen pro Jahr, 1,5 Millionen Einheiten täglich. Drei bis sieben Produkte bringt Adelholzener jährlich neu auf den Markt, um im Wettbewerb zu bestehen und den gesellschaftlichen Trends gerecht zu werden. Nach der Entwicklungsphase wird jede neue Geschmacksrichtung auf Verbraucherakzeptanz getestet und schließlich, bevor es dann in die Produktion geht, vom Beirat – also auch den Ordensschwestern – abgesegnet. Was in diesem Fall durchaus wörtlich genommen werden darf.

© Adelholzener

Wasser aus aller Welt

Der Markt an sich ist größer denn je. Tranken die Bundesbürger in den 70er Jahren nur etwa 12,5 Liter Mineralwasser pro Kopf, sind es inzwischen schon rund 145 Liter jährlich. Die Branche erwartet für dieses Jahr einen Umsatz von insgesamt gut 4,6 Milliarden Euro. Aber natürlich ist Adelholzener mit seinem Angebot nicht allein. Mehr als 500 Mineral- und 35 Heilwässer sprudeln aus Quellen in ganz Deutschland und buhlen um die Gunst der Kunden, die das Wasser längst zum Lifestyle-Produkt erkoren haben. In der Luxusgastronomie findet man heutzutage schon mal sechzig verschiedene Mineralwässer aus aller Welt auf der Getränkekarte – von den Fidschi-Inseln bis zur arktischen Wildnis Lapplands, empfohlen vom geschulten Wasser-Sommelier, der den Gästen beratend zur Seite steht.

Das Wasser aus Adelholzen kann mit den Exoten aus aller Welt bestens mithalten. Es ist von höchster Qualität und gilt dank seiner ausgewogenen Mineralisierung als „mild“, „bekömmlich“ und „wohlschmeckend“. Das ist, verbunden mit dem hohen Qualitätsanspruch des Unternehmens, auch der Grund für seinen großen Erfolg. Damit das auch in Zukunft so bleibt, betreiben die Alpenquellen ein eigenes Labor zur ständigen Qualitätssicherung.

Reinheit aus der Tiefe

Das gesamte Sortiment basiert auf dem natürlichen Adelholzener Mineralwasser, je nach Geschmackssorte versetzt mit hochwertigen Zutaten wie etwa Bio-Direktsäften. Das Mineralwasser selbst stammt aus der Quelle am Fuße des Hochfelln im Flora-Fauna- Habitat-Naturschutzgebiet Bergener Moos. Geschützt von einer dicken Tonschicht, durch die die besondere Reinheit des Wassers gewährleistet ist, lagert das Quellwasser in 140 Metern Tiefe, angereichert mit wertvollen Mineralien. Durch den Sickerprozess von Niederschlägen und Tauwasser durch das Gestein – übrigens einer geologischen Formation, die bereits in der Eiszeit vor 25.000 Jahren entstand – bildet sich das Mineralwasser stetig neu. Trotzdem geht das Unternehmen sehr sorgsam mit dieser kostbaren Ressource um und begrenzt die Entnahmemenge.

„Die Natur, Ursprung und Quelle unseres Wassers, ist unser wertvollstes Gut.“ So lautet einer der Unternehmensleitsätze. Der Respekt vor der Schöpfung ist der Ordensgemeinschaft seit jeher ein großes Anliegen und auch fest in den Unternehmenswerten verankert. „Unser Erfolg hängt von einer intakten Natur ab“, sagt Stefan Hoechter. „Deshalb ist nachhaltiges und ökologisches Wirtschaften für uns auch oberstes Gebot.“

Zu 80 Prozent arbeitet das Unternehmen mit Mehrwegflaschen, die sich bis zu 40-mal (bei Glas) und bis zu 15-mal (bei PET) befüllen lassen und danach zu 100 Prozent recycelt werden. Und auch ansonsten legt das Unternehmen großen Wert auf Nachhaltigkeit. „Wir sind uns unserer sozialen Verantwortung dem Orden und unseren Mitarbeitern gegenüber bewusst und handeln stets so, dass wir langfristig Arbeitsplätze erhalten und neue generieren können“, sagt Franz Demmelmair. Damit das auch in Zukunft so bleibt, setzt Adelholzener konsequent auf Wachstum. Zum Wohle des Geschäfts und auch zum Wohle der Gesellschaft.

Der heilige Primus, der vor fast 2.000 Jahren den Grundstein für diese Erfolgsgeschichte legte, konnte davon noch nichts ahnen. Aber mit einiger Wahrscheinlichkeit kannte er die geflügelten Worte des römischen Dichters Ovid: „Finis coronat opus!“ – Das Ende krönt das Werk!

Prädikat besonders wertvoll

Interessantes und Wissenswertes rund um das Thema Mineralwasser gibt es in der Adelholzener Wasserwelt zu sehen – von der Gewinnung über die Abfüllung bis hin zur Entwicklung neuer Produkte. Die Wasserwelt ist von Montag bis Donnerstag von 8:00 bis 16:00 Uhr geöffnet, freitags von 8:00 bis 13:00 Uhr. Gruppen mit 15 bis maximal 50 Personen können telefonisch darüber hinaus individuelle Termine vereinbaren.

Adelholzener Alpenquellen GmbH
St.-Primus-Str. 1–5
83313 Siegsdorf/Oberbayern
Telefon: 08662 62–361
wasserwelt@adelholzener.de

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