BayernLB

Nicht von Pappe - der Erfolg der Schumacher Packaging GmbH

Der Verpackungshersteller Schumacher wächst seit Jahren kontinuierlich – auch dank der Umweltverträglichkeit seiner Produkte. Aber das ist nur einer von vielen Erfolgsfaktoren. Von Ute Klein

© Lemrich

Ortstermin im oberfränkischen Ebersdorf, im Stammwerk der Schumacher Packaging GmbH. Hier produziert das mittelständische Familienunternehmen ein Material mit Zukunft – Wellpappe.

In der riesigen Halle ist es warm und laut. Gleich am Anfang der Produktionsstraße stehen drei Meter hohe Rollen, darauf jeweils etwa zehntausend Meter Papier – der Rohstoff für die Wellpappe-Produktion, zu 80 Prozent aus Recycling-Material. Die Wellpappenanlage ist eine im Baukastensystem zusammengesetzte Kombination diverser Anlagenteile, die in einem hochkomplexen Prozess verschiedene Papierbahnen, sogenannte Wellen- und Deckenpapiere, miteinander verklebt. In einer oder mehreren Lagen und einem Tempo, das Respekt abnötigt.

450 Meter spuckt die Maschine pro Minute aus, in einer Bahnbreite von 2,80 Metern. Hochgerechnet aufs Jahr, kommen so 350 Quadratkilometer Wellpappe zusammen – genug, um die bayerische Landeshauptstadt München und noch dazu ein paar kleinere Nachbargemeinden komplett zu überdecken.

Die Schumacher Packaging GmbH, BayernLB-Kunde seit drei Jahren, zählt europaweit zu den ganz Großen ihrer Branche. Trotzdem muss der Unternehmenschef häufig erklären, wer Schumacher Packaging ist: „Dann sage ich immer, kaum einer kennt uns da draußen, aber jeder hält mindestens einmal pro Woche eines unserer Produkte in der Hand.“

Ein typischer Hidden Champion also. Ein inhabergeführtes Unternehmen, das in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen wird, ohne dessen Produkte aus Voll- oderWellpappe aber weder die Lebensmittel- noch die Kosmetikindustrie und auch die Bekleidungs-, Elektronik und Möbelhersteller ihre Waren verkaufen könnten. Für sie alle produziert Schumacher die passenden Kartons – von der Größe einer Streichholzschachtel bis hin zur riesigen Maschinenverpackung.

Keine Anforderung bleibt unerfüllt. Auf die Produktion der Wellpappe folgt die Weiterverarbeitung: zuschneiden, stanzen, falten, bedrucken. Die fertigen Kartons lagern im Hochregal und werden auf Kundenwunsch auch mit der dafür vorgesehenen Ware bepackt.

„Wenn verlangt, stellen wir dem Kunden sogar die Displays mit seiner Ware am Point of Sale auf“, sagt der Unternehmenschef. Eine eigene Spedition mit mehr als 200 Lkws stellt die Lieferungen sicher – just in time, europaweit. Schumacher: „Wir beherrschen die komplette Wertschöpfungskette. Aus unserem umfassenden Angebot kann sich jeder Kunde raussuchen, was er benötigt.“

© Lemrich

Mit ihrem Kernprodukt können die Oberfranken punkten. Seit Plastikverpackungen immer stärker in Verruf geraten und die mit Kunststoff zugemüllten Ozeane die Gemüter erregen, sind aus Papier hergestellte Schachteln überall gerne gesehen. Bei den Verbrauchern sowieso und damit auch bei den Herstellern und Händlern. Neben dem Produktschutz (95 Prozent) erwarten nach einer Repräsentativ-Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Kantar Emnid 93 Prozent der Verbraucher von ihren Verpackungen eine gute Recyclingfähigkeit und eine einfache Entsorgung (89 Prozent). Den Müll wollen sie am liebsten gleich in die Altpapiertonne werfen, ohne seine Bestandteile zuvor sortieren zu müssen.

Damit hängt der Geschäftserfolg der Versandhändler letztlich nicht nur von den inneren, sondern auch von den äußeren Werten ab. „Zwar dienen die Verpackungen primär dem Schutz der transportierten Ware“, sagt Oliver Krieg, Senior Director bei Kantar Emnid und Leiter der Studie. „Aber die schützende Hülle ist zugleich die Visitenkarte des Onlineshops und damit ein wichtiges Instrument für die Kommunikation mit dem Verbraucher.“

Die Vorteile von Wellpappe leuchten schnell ein. Das Material ist fast vollständig recycelbar und erfüllt die Anforderungen des erst seit Januar geltenden neuen Verpackungsgesetzes. „Wir wollen, dass die Wirtschaft umfassend darüber nachdenkt, welche Verpackungen wirklich notwendig sind und welche Materialien umweltschonend zum Einsatz kommen“, sagt Bundesumweltministerin Svenja Schulze. „Weniger Verpackungen, diese aber besser recycelbar – das ist unser Ziel.“

Björn Schumacher profitiert mit seinem Unternehmen davon. „Das erhöhte Umweltbewusstsein der Konsumenten wie auch der wachsende Onlinehandel sind natürlich ein Treiber für unser Geschäft“, sagt er. „Aber Umweltverträglichkeit gilt bei uns über die gesamte Wertschöpfungskette. Vom zertifizierten Energiemanagement in der Produktion und beim Maschinenpark bis hin zur ständigen Optimierung von Gebäuden und Fuhrpark.“

© Lemrich

Das Endprodukt selbst ist in Sachen Umweltbilanz ohnehin ein Vorzeigekandidat erster Güte. Nahezu 90 Prozent der Verpackungen, die Schumacher Packaging herstellt, stammen aus Recycling-Material. Am Ende ihres Lebenszyklus verschwinden die Pappen rückstandsfrei innerhalb weniger Wochen, denn auch die dafür verwendeten Farben sind in der Regel wasserbasiert und die Leime aus Kartoffel- oder Maisstärke. Kein Wunder also, dass die Manager in Ebersdorf vermehrt Anfragen aus Industriezweigen erhalten, die verpackungstechnisch nach Alternativen suchen. Neuestes Vorhaben: die Entwicklung einer innovativen Verpackung für die Lebensmittelindustrie. Genauer gesagt: für Fertigprodukte, die in der Mikrowelle aufgewärmt werden. „In diesem Segment kommen bisher fast ausschließlich Kunststoffverpackungen zum Einsatz“, sagt Björn Schumacher. „Wir wollen jetzt eine Verpackung bieten, deren Kunststoffanteil um 70 bis 80 Prozent reduziert ist, und die Folie auf jenen Bereich konzentrieren, wo sie wirklich notwendig ist, um eine Barriere gegen Verunreinigungen von außen zu bilden.“

Ein Projekt ganz nach dem Geschmack von Björn Schumacher: innovativ unterwegs sein, Lösungen austüfteln. Denn die Umweltverträglichkeit seiner Produkte ist für Schumacher, dessen Unternehmen mittlerweile an 29 europäischen Standorten vertreten ist, mit 15 produzierenden Werken in Deutschland, Polen und den Niederlanden, nur einer von vielen Erfolgsfaktoren. „Unsere Produkte wecken keine großen Emotionen und sind an sich auch nicht besonders sexy. Weil man den Karton nicht völlig neu erfinden kann, müssen wir uns immer wieder fragen: Was können wir unseren Kunden bieten, damit sie unser Unternehmen als neu und attraktiv wahrnehmen?“

Eine Art „Trendscout“ will Schumacher sein und die Bedürfnisse seiner Kunden frühzeitig antizipieren. Genau diese Denke ist es wohl auch, mit der sein Unternehmen schon sehr früh die Weichen für ein kontinuierliches Wachstum gestellt hat, lange vor dem Online-Hype und der aktuellen Plastikdebatte. Beispielhaft dafür ist der Bereich Digitaldruck – gerade erst das bestimmende Thema auf Europas einziger Fachmesse für die Wellpappen- und Faltschachtelindustrie, der CCE International in München.

Auch in diesem Bereich spielt Schumacher ganz weit vorne mit. „Der Digitaldruck galt lange Zeit als bloßes Nischenprodukt für Miniauflagen“, sagt der Unternehmenschef. „Aber weil wir von den Vorteilen der Technik überzeugt waren, haben wir uns bereits vor zehn Jahren mit einem führenden Druckmaschinenhersteller zusammengesetzt und gemeinsam überlegt, was es braucht, um den Digitaldruck in die industrielle Anwendung zu bringen.“

© Lemrich

Herausgekommen ist eine Weltneuheit, 2015 erstmals auf der Messe Fachpack präsentiert: eine hochmoderne Digitaldruckanlage, die mit einer Geschwindigkeit von bis zu 200 Metern pro Minute und einer Breite von bis zu 130 Zentimetern Fotos, Grafiken und Texte in hoher Qualität auf Verpackungen aufbringt. „Damit können wir jetzt auch große Kartons in nennenswerten Stückzahlen anbieten. Ohne Clichékosten und ohne Mindestlosgrößen“, sagt der Firmenchef. „Das bedeutet, jeder Karton kann von uns individuell bedruckt werden.“

Noch auf der Messe haben die Ebersdorfer den ersten Kunden von ihrem Prototyp begeistert, den Heizungs- und Lüftungsspezialisten Stiebel Eltron. Seit nunmehr drei Jahren arbeiten die beiden erfolgreich zusammen und haben, wo immer notwendig, Optimierungen an Prozessen und Abläufen vorgenommen. Ganze Abteilungen standen zeitweise im ständigen Austausch. Mittlerweile gibt es 20 verschiedene Kartons, die für Stiebel Eltron in Kleinserien per Digitaldruck veredelt werden. Damit kann der Kunde jetzt sehr flexibel auf neue Marktanforderungen reagieren. „Die Möglichkeit, sich immer wieder neu zu präsentieren, ist ein klarer Wettbewerbsvorteil in einer Welt, in der die Konsumenten mit immer mehr Informationen, Werbung und Bildern konfrontiert werden“, sagt Schumacher. „Marketing läuft eben auch über die Verpackung.“

Darin sieht er die Königsdisziplin seiner Dienstleistung: nicht nur Komplettanbieter rund um das Thema Verpackung zu sein, sondern auch Marketingberater. Kunden, die mit diesen Themen intern nichts zu tun haben wollen, schickt er auf Wunsch eigene Spezialisten ins Haus: für das Design, die Entwicklung und die Prozessintegration. „Wir wollen den Kunden und seine Marke von Grund auf verstehen. Wie eine Beratungsfirma“, sagt der Geschäftsführer. „Damit wir als Lösungspartner am Ende auch einen wirklichen Mehrwert liefern können.“

So ist die Schumacher Packaging GmbH heute weit mehr als nur ein Verpackungsproduzent. Selbst den Rohstoff für seine Produkte stellt der Mittelständler seit 2010 in Eigenregie her. In seiner Papierfabrik im nordpolnischen Grudziadz produziert Schumacher inzwischen 130.000 Tonnen Wellenstoff, Test- und Frostliner pro Jahr. „Eine Papierfabrik ist zwar ungeheuer kapitalintensiv, sichert uns aber strategisch ab. Sie garantiert eine größere Unabhängigkeit von den Rohstoffpreisen und bietet uns eine hohe Kontrolle über die Qualität“, sagt der Unternehmenschef. „Ende 2016 haben wir zudem eine Papierfabrik im polnischen Myszków übernommen. Dort haben wir im April 2019 eine Papiermaschine in Betrieb genommen, die im Schritt 1 bis zu 150.000 Jahrestonnen Wellpappenrohpapiere produziert und in einem Schritt 2 auf eine Jahreskapazität von 250.000 bis 300.000 Tonnen aufgerüstet wird. Damit wären wir dann ein hundertprozentiger Selbstversorger in Sachen Rohmaterial.“

Keine Frage, die Schumacher Packaging GmbH hat den Sprung vom regionalen zum europäisch bedeutenden Player längst geschafft. Gelungen ist das vor allem aus einem Grund. „Wir punkten im Markt mit den typischen Stärken eines familiengeführten Mittelstandsunternehmens“, sagt Firmenchef Schumacher. „Mit unserer Dynamik, unserer Nähe zum Kunden, der Ansprechbarkeit auf allen Hierarchieebenen und jener Portion Menschlichkeit, die es für den Geschäftserfolg nun mal braucht.“ Wohl auch deshalb steht die Imagebroschüre des Unternehmens unter dem programmatischen Motto: „Verpackungen von Mensch zu Mensch“. Zum Wohle der Kunden, zum Wohle der Mitarbeiter – und natürlich auch zum Wohle des eigenen Erfolgs.

© Lemrich

In allen Branchen zu Hause

Die Schumacher Packaging GmbH gehört europaweit zu den Top Ten der Verpackungshersteller im Familienbesitz. 1948 als Großhandelsunternehmen für die ortsansässige Spielwaren-, Polster- und Kleinmöbelindustrie gegründet, begann 1970 die Wellpappenproduktion. Seit Ende der 90er Jahre wuchs die Gruppe kontinuierlich durch neu gegründete Produktionsstätten und die Übernahme bestehender Papierfabriken im polnischen Grudziadz und Myszków.

Für ihre Kunden aus den unterschiedlichsten Branchen entwirft, testet und produziert Schumacher Packaging maßgeschneiderte Verpackungslösungen aus Voll- oder Wellpappe. Bedruckt und veredelt. Modernste Logistiksysteme, vollautomatische Hochregallager und ein Fuhrpark mit mehr als 200 Lastzügen garantieren hohe Flexibilität. Die Schumacher Packaging GmbH beschäftigt aktuell rund 3.400 Mitarbeiter und ist an 29 europäischen Standorten vertreten, darunter mit 15 produzierenden Werken in Deutschland, Polen und den Niederlanden. Der Jahresumsatz belief sich 2018 auf 627 Millionen Euro.

weiter