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Stiftungen: Werte bewahren

Gemeinnützige Stiftungen bilden das Rückgrat unserer Zivilgesellschaft. Aber sie alle haben gerade ein großes Problem. Wie sie in Null-Zins-Zeiten ihre Ziele jetzt trotzdem noch erfüllen können. Von Thomas Bundschuh

Madonna tut es, ebenso Leonardo DiCaprio wie auch Shakira – und Bill Gates sowieso. Gemeinsam mit seiner Frau Melinda führt der Microsoft-Gründer heute die größte Privatstiftung weltweit – die Bill & Melinda Gates Foundation mit einem geschätzten Stiftungsvermögen von 40,3 Milliarden US-Dollar. Auf den Plätzen zwei und drei der reichsten Mäzene folgen der britische Wellcome Trust (27,1 Milliarden Dollar) und das amerikanische Howard Hughes Medical Institute (17,8 Milliarden Dollar).

Gemeinsam bringen allein diese drei Schwergewichte des guten Tuns mit umgerechnet gut 76 Milliarden Euro mehr Geld auf die Waage als alle 22.743 deutschen Stiftungen zusammen (bekanntes Kapital: rund 68 Milliarden Euro) – inklusive der unternehmensnahen Stiftungen, die keine vorrangig gemeinnützigen Zwecke verfolgen. Was natürlich die Frage aufwirft, ob die Bundesbürger nicht vielleicht ein bisschen zu knausrig sind.

Zugegeben, im internationalen Vergleich hinkt Deutschland den spendablen Amerikanern noch deutlich hinterher. Aber die Aufholjagd hat längst begonnen. Zählte der Bundesverband Deutscher Stiftungen (BVDS) im Jahr 2001 erst rund 10.000 rechtsfähige Stiftungen zwischen Flensburg und Garmisch-Partenkirchen, sind es heute schon mehr als doppelt so viele. Tendenz: stark steigend. „Es gibt mehr Vermögen auf der Suche nach Sinn als je zuvor in unserer Gesellschaft“, sagt der Generalsekretär des Bundesverbands, Felix Oldenburg.

© Illustration: Matthias Seifarth

95 Prozent aller deutschen Stiftungen sind gemeinnützig. Sie engagieren sich für die Umwelt, unterstützen Kunst, Bildung oder Wissenschaft. Und selbst die Unternehmensstiftungen, die aus anderen Gründen ins Leben gerufen werden – zum Beispiel, um im Zuge der Nachfolge Erbstreitigkeiten innerhalb der Familie zu vermeiden –, kommen am Ende nicht selten der Gesellschaft zugute. Denn sie sichern nicht nur das Erbe des Gründers ab, sondern auch die daran hängenden Arbeitsplätze.

Immer stärker entwickeln sich die hiesigen Organisationen damit zu unentbehrlichen Garanten des Gemeinwesens, unabhängig von Stiftungszweck und -form. Nicht zufällig stand der Deutsche Stiftungstag, größter Kongress der Szene in Europa, Anfang Juni deshalb unter dem Motto „Unsere Demokratie“. Stiftungen, so die unmissverständliche Botschaft der Veranstalter, werden sich „auch weiterhin für den Erhalt unserer Demokratie einsetzen – national wie international“.

Als eine Art Reparaturbetrieb allerdings, der überall dort einspringt, wo die Politik versagt, sehen sich die Stiftungsgründer nicht. „Das würden die meisten Verantwortlichen weit von sich weisen“, sagt Verena Staats, langjährige Justitiarin beim BVDS und heute als Rechtsanwältin in der Kanzlei P+P Pöllath + Partners tätig. „Von ihrem Selbstverständnis her wollen Stiftungen keine Lückenbüßer sein, wenn staatliche Einrichtungen ihre Aufgaben nicht mehr oder nicht mehr ausreichend erfüllen. Sie begreifen ihr Engagement eher als ein komplementäres Angebot.“

Dennoch, ein wichtiges „finanzielles Rückgrat unserer Zivilgesellschaft“, wie es Staats formuliert, sind die Stiftungen auf jeden Fall. Zum Beispiel im Bildungsbereich: 318 Professuren und rund 270 Museen sind laut BVDS-Statistik aktuell in Stifterhand. Oder im Sozial- und Gesundheitsbereich: Allein in Hamburg werden mehr als 100 Wohnheime für ältere Menschen in gemeinnütziger Trägerschaft betrieben. Mindestens 150 Krankenhäuser gehören Stiftungen, jede 13. Klinik bundesweit. Und auch beim Thema Umweltschutz spielen Stiftungen eine bedeutende Rolle. Sie pflegen heute rund 154.000 Hektar Naturschutzflächen, ein Raum, fünfmal so groß wie München.

Ohne seine Stiftungen wäre Deutschland sehr viel ärmer, zum Beispiel ohne die Wilhelm Sander-Stiftung. 1973 aus dem Nachlass des Fabrikanten und Bauunternehmers gleichen Namens hervorgegangen, verfügt die Stiftung heute über ein Eigenkapital von rund 400 Millionen Euro, dessen Erträge ausschließlich der medizinischen Forschung zugutekommen – vor allem der Krankheits- und Krebsbekämpfung. Ein Großteil des Vermögens ist in Immobilien angelegt, ein kleinerer Teil in Wertpapieren, die auch von der BayernInvest Kapitalverwaltungsgesellschaft gemanagt werden. „Bis heute haben wir über 236 Millionen Euro Fördermittel für die medizinische Forschung an Universitäten und Großforschungseinrichtungen in Deutschland und der Schweiz ausgezahlt“, sagt Stiftungsvorstand Bernhard Knappe. „Für insgesamt mehr als 2.200 Projekte.“

© Illustration: Matthias Seifarth

Oder nehmen wir die Bayerische Landesstiftung, eine Einrichtung des Öffentlichen Rechts, 1972 aus der Vereinigung von Bayerischer Staatsbank und Bayerischer Vereinsbank hervorgegangen. Rund 11.500 Projekte hat die Stiftung bis heute mit insgesamt 650 Millionen Euro gefördert, vorrangig im kulturellen und denkmalpflegerischen Bereich. So fördert die Stiftung zum Beispiel gerade die Neugestaltung des Klostermuseums in Ottobeuren und die Sanierung des Asamgebäudes in Freising.

Die Ziele der Stifter sind je nach Gesellschaft sehr unterschiedlich, ihre derzeit größte Herausforderung allerdings ist überall die gleiche. Denn die Projektfinanzierung, ob nun im kulturellen oder im medizinischen Bereich, speist sich neben Spenden aus den Erträgen, die das Stiftungsvermögen Jahr für Jahr erwirtschaftet. Nur vermehrt sich dieses Vermögen in Zeiten von null oder sogar negativen Zinsen eben nicht mehr so leicht wie früher. „Viele Stiftungen sind kaum noch in der Lage, Erträge zu erwirtschaften, und haben große Probleme, ihren Zweck zu erfüllen“, sagt BVDS-Generalsekretär Oldenburg. „Seit die zehnjährige Bundesanleihe im Sommer 2016 erstmals negativ rentierte, suchen die Stiftungen deshalb nach neuen Wegen in der Vermögensanlage.“

Schon knapp 40 Prozent aller Stiftungen erwarten aktuell nur noch Renditen unterhalb der Inflationsrate. Ein Jahr zuvor waren es laut BVDS-Umfrage erst 20 Prozent. Josef Miller, Vorstandsvorsitzender der Bayerischen Landesstiftung und Staatsminister a. D., sagt deshalb: „Wir alle müssen uns von den Renditeerwartungen der Vergangenheit leider verabschieden. Denn die Abwägung von Risiko und Chance bleibt für jede Stiftung nun mal eine zwingende Notwendigkeit.“ Was Miller damit sagen will: Sicherheit geht vor. Auch wenn ein bisschen mehr Wagemut möglicherweise nicht schaden würde. Laut einer Studie der European School of Management and Technology könnten Deutschlands Stiftungen jährlich mindestens zwei Milliarden Euro zusätzlich erwirtschaften, wenn sie ihr Kapital etwas risikobereiter anlegen würden. Aber wo genau verläuft die Grenze zwischen Wagemut und Unvernunft? Wie hoch darf die Aktienquote im Portfolio sein? Sollen gemeinnützige Organisationen etwa auch in Kryptowährungen investieren, wenn diese gerade mal wieder ordentlich performen?

© Illustration: Matthias Seifarth

„Trotz des aktuellen Niedrigzinsumfelds lautet die oberste Maxime, das Stiftungsvermögen langfristig zu sichern“, sagt Bernhard Grünäugl, Leiter der Abteilung Strategic Solutions und Makro Stratege bei der BayernInvest. „Verluste sind strikt zu vermeiden. Dieser Grundsatz hat Vorrang vor der Erwirtschaftung möglichst hoher Erträge.“ Andererseits, das räumt auch er gerne ein, „sollten zur Erfüllung der Stiftungsziele natürlich angemessene Renditen und ausschüttungsfähige Erträge erzielt werden.“

Das klingt nach einem schwierigen Spagat, muss in der Praxis aber gar nicht so schwerfallen. „Ausgangspunkt ist immer ein langfristiger Ansatz mit einer auf die jeweiligen Bedürfnisse zugeschnittenen strategischen Asset-Allokation“, sagt Grünäugl. „Wir stellen die Portfolios so auf, dass sie möglichst breit von den Risikoprämien verschiedener Märkte profitieren und ihr Outperformance-Potenzial ausschöpfen können. Gleichzeitig steuern wir alle damit verbundenen Risiken aktiv, um Verlustphasen möglichst unbeschadet zu überstehen.“ Die richtige Diversifikation des Portfolios nennen Fondsmanager diese Strategie, die auch die BayernInvest mit ihrem „Multi-Asset-Balanced-Sustainable-Ansatz“ verfolgt. Im Kern wird dabei überwiegend in Rentenpapiere investiert (im Schnitt 70 Prozent) und die Aktienquote dynamisch gesteuert. „Wir können unseren Kunden jederzeit mit diesem Tool verschiedene Allokationsvarianten aufzeigen und auch einen konkreten Prozentwert für die Wahrscheinlichkeit des Kapitalerhalts simulieren, wenn sich die Investmentverteilung im Portfolio entsprechend ändert.“

© Illustration: Matthias Seifarth

Depots mit 100 Prozent Aktien weisen demnach zwar einen höheren zu erwartenden Ertrag aus, bergen aber auch höhere Risiken. Die Wahrscheinlichkeit des Kapitalerhalts, so Grünäugl, steige durch riskantere Allokationen keineswegs. Das heißt: Maßgeschneiderte Portfolios hinsichtlich erlaubter Anlageklassen, Verlusttoleranzen und Renditeerwartungen sind mit dem „Multi-Asset-Balanced-Sustainable-Ansatz“ möglich – auch unter Einbeziehung nachhaltiger Aspekte, mit denen Stiftungen kontroverse Geschäftsfelder von vornherein ausschließen können – etwa klimafeindliche oder waffenproduzierende Hersteller. „Das wird für Stiftungen immer wichtiger, weil sie ihre Kapitalanlagen eben nicht nur im Kontext von Risiko und Rendite beurteilen wollen“, sagt BVDS-Generalsekretär Oldenburg. „Immer mehr Entscheider sehen es als selbstverständlich an, negative oder gar im Widerspruch zum Stiftungszweck stehende Wirkungen auf Gesellschaft und Umwelt zu verstehen und möglichst zu vermeiden.“

Wer sich etwa der Hilfe von Bedürftigen verschrieben hat, investiert vielleicht besonders gerne in den sozialen Wohnungsbau. „Mission Investing“ nennt Oldenburg diese Strategie. Das sogenannte Impact Investing favorisieren seiner Beobachtung nach eher Stiftungen mit allgemeinerem Zweck – etwa Organisationen, die Umweltschutz oder Wissenschaft fördern und ihr Vermögen deshalb auch gerne in Unternehmen stecken, die mit ihren moralischen oder ökologischen Wertvorstellungen konform gehen.

Am Ende allerdings ist es völlig zweitrangig, wie sich diese Investmentstrategien im Einzelfall nennen. Sie alle dienen einem guten Zweck, und zwar im doppelten Sinne: vorbildlich verdientes Geld, das danach auch für vorbildliche Ziele ausgegeben wird. Stiftung hoch zwei sozusagen.

Nachhaltige Fonds

Die BayernInvest bietet Stiftungen mit ihrem Multi-Asset-Balanced-Sustainable-Ansatz eine innovative Strategie an, in der sie auch die Wahrscheinlichkeit des langfristigen Kapitalerhalts simulieren und damit transparent aufzeigen kann. Darüber hinaus bietet die Asset-Management-Tochter der BayernLB drei neue Publikumsfonds an, die der Nachhaltigkeit mit unterschiedlichen Schwerpunkten verpflichtet sind. Erstens: der DKB Nachhaltigkeitsfonds Europa. Er umfasst europäische Aktien, die nach Analyse der BayernInvest die größten Ertragsaussichten bieten und in ihrer Branche unter ökologischen, ethischen und ökonomischen Aspekten führend sind. Zweitens: der DKB Nachhaltigkeitsfonds Klimaschutz. Hier liegt der Fokus auf zukunftsorientierten Unternehmen, deren Geschäftsmodell von einem Übergang zu einer klimaneutralen Wirtschaft profitiert. Und drittens: der DKB Nachhaltigkeitsfonds SDG, der auf Unternehmen setzt, deren Handeln sich nach Einschätzung der BayernInvest positiv auf Umwelt und Gesellschaft auswirkt. SDG steht für „Sustainable Development Goals“ und beschreibt die 17 von den Vereinten Nationen definierten Ziele wie etwa Gesundheitsvorsorge, Bildung und nachhaltiger Städtebau.

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