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Die Holzfellas

Vom Baum bis zum Fertighaus: Bei den „Fellas“ – oder Burschen – von der Ziegler Group dreht sich alles ums Holz. Hervorgegangen aus einer kleinen Sägemühle in der nördlichen Oberpfalz, ist das Familienunternehmen heute international unterwegs. Und mit der zunehmenden Bedeutung des nachhaltigen Rohstoffs Holz sieht die Zukunft für den Mittelständler rosig aus – und grün. Von Ute Klein

AUF DEM HOLZWEG NACH OBEN: Andreas Sandner (li.) und Michael Wachsmann sind die kaufmännischen Leiter des Familienunternehmens.

© Leon C. Greiner

Die Zieglers sind auf dem Holzweg. Und zwar gewaltig. Doch während der Holzweg im Volksmund als Irrweg gilt, hat er sich für das Familienunternehmen als „way to success“ erwiesen. Die Geschichte der Ziegler Group erzählt eine echte Wachstumsstory. Und die Zeichen stehen weiterhin auf Erfolg. Nicht zuletzt, weil der Rohstoff Holz durch die aktuelle Klimadebatte eine immer größere Bedeutung gewinnt. Auch im Hausbau, der neuesten Sparte, in die die Ziegler Group eingestiegen ist – als logische Erweiterung ihres Geschäftsmodells, mit immensem Potenzial.

Der Stammsitz der Ziegler Group ist die Betzenmühle, ein Sägewerk bei Plößberg in der nördlichen Oberpfalz, einer waldreichen Gegend an der Grenze zu Tschechien. Dieses Sägewerk, das Firmenchef Stefan Ziegler 2008 von seinem Vater übernommen hat, ist das Stamm- und Kerngeschäft von Ziegler. Aber wie bei einem Baum sind aus diesem Stamm in den vergangenen zehn Jahren immer weitere Geschäftszweige erwachsen, in denen das Unternehmen höchst erfolgreich ist: Logistik, Maschinenbau, Deko, Hausbau und neuerdings auch Gastronomie.

Und alles geht strategisch Hand in Hand: Logistik als Motor für das Wachstum des Sägewerks, als Asset in Bezug auf das Handling des Exports und als Dienstleistungsangebot für Dritte. Maschinenbau, um exklusiv eigene Maschinen zu konstruieren, die optimal an die Bedürfnisse des Unternehmens angepasst sind. Der Hausbau, der eine lückenlose Wertschöpfungskette realisiert – von der Verarbeitung des Rohstoffs bis hin zum Holzfertigbau, quasi vom Baum zum Haus. Und nicht zuletzt der Kauf einer alten Gaststätte inklusive Gästezimmern in Wiesau neben dem Ziegler-Logistikterminal, um Geschäftspartner und Gäste zu bewirten und unterzubringen. Aktuell ist das Restaurant mit dem Namen „Holzfellas“ noch ein Nebengeschäft. Aber bei Ziegler könnte auch dieses Unterfangen der Start einer erfolgreichen Unternehmung sein.

NATÜRLICH AUS HOLZ: Das neue Verwaltungsgebäude

© Leon C. Greiner

Die Branchenvielfalt, die Dynamik, die stetige Weiterentwicklung, aber auch die Verantwortung, die man schon als junger Mensch in dem Familienunternehmen übernehmen kann, das begeistert Michael Wachsmann und Andreas Sandner an ihrer Arbeit. Die beiden sind die kaufmännischen Leiter der Ziegler Group und die größten Fans ihres Arbeitgebers.

Wenn sie über die Stellschrauben sprechen, die den Ausschlag dazu gaben, dass das Holzunternehmen vom Mittelständler aus der bayerischen Provinz zum internationalen Player avancierte, erzählen sie als Erstes vom Unternehmergeist, der die Ziegler Group bis heute treibt. „Stefan Ziegler, unser Firmenchef, sieht Chancen und nimmt sie wahr“, sagt Michael Wachsmann. „Er hatte zum Beispiel als junger Unternehmer den Mut, die Welt zu bereisen und sein Holz aus der Oberpfalz im Ausland anzubieten.“ Klinken putzen, sagt man gemeinhin. Dafür war sich Stefan Ziegler in den Jahren 2008/2009 nicht zu schade. Mit Erfolg. Die Qualität von Ziegler-Holz sprach sich herum, die Exportquote wuchs. 2019 lag sie bei 75 Prozent.

Internationalisierung als Erfolgsgarant. Auch wenn der hohe Exportanteil Ziegler immer wieder vor Herausforderungen stellt, etwa eine instabile Lage in Exportmärkten, Währungsrisiken, logistische Anforderungen. Aktuell spielen die politischen Unruhen im Mittleren Osten eine große Rolle – hier ist Ziegler einer der Marktführer. Weitere bedeutende Absatzgebiete sind der asiatische Raum und Nordafrika, in Europa England, Frankreich und Belgien.

Wo Export wichtig ist, kommt Logistik ins Spiel. „Rückblickend war wahrscheinlich die Gründung der Logistiksparte 2011 die beste Entscheidung in der Unternehmensgeschichte“, sagt Michael Wachsmann. Auftakt dazu war der Kauf des Güterbahnhofs in Wiesau, 15 Kilometer vom Stammwerk Betzenmühle entfernt: fünf Gleisstränge und ein Gelände von 12,5 Hektar. Damit wurde der Ziegler Group ein Wachstum in allen Bereichen ermöglicht und die Oberpfälzer logistisch unabhängig. „Die Logistik verbindet alle Unternehmensbereiche, untereinander und nach außen“, so Andreas Sandner. Heute ist die Logistiksparte das zweite Standbein in der Gruppe. So können beispielsweise nicht nur die rund 1.000 Seecontainer, die pro Monat verschifft werden müssen, mit eigenen Mitteln abgewickelt werden, Ziegler bietet einen Logistik- Rundumservice auch als Dienstleistung für Dritte.

GUT HOLZ: Die Wertschöpfungskette ist nach Möglichkeit lückenlos.

© Leon C. Greiner

Die Logistiksparte bringt Wachstum – und trägt zugleich zur Nachhaltigkeit in der Ziegler Group bei. Die wird in der gesamten Wertschöpfungskette großgeschrieben: Wann immer möglich, bringen die Zieglers ihre Produkte von der Straße auf die Schiene – Rundholz ins Werk rein, Schnittholz in Containern raus. Beim Transport per Lkw werden Leerfahrten vermieden: Im sogenannten Rundlauf bringen die firmeneigenen Lkws Ziegler-Produkte zu den Hafenterminals und nehmen von dort Ladung anderer Firmen mit. Der Werksverkehr im Sägewerk selbst wird sukzessive auf E-Mobilität umgestellt. Und in der Produktion stellt ein ISO-zertifiziertes Energiemanagement die Schonung von Ressourcen sicher. „Abfall gibt es bei uns nicht. Nur Anfall“, sagt Michael Wachsmann. Sägenebenprodukte wie Hackschnitzel werden zu Spanplatten, Sägespäne zu Pellets, Rinde zu Rindenmulch. Restholzprodukte werden zum Heizen des firmeneigenen Blockheizkraftwerks verwendet, dessen Wärme wieder in den Trockenkammern für die Holztrocknung genutzt wird. Ein Baum wird zu 100 Prozent genutzt.

Das Holz, das die Zieglers verarbeiten, stammt zu 50 bis 60 Prozent aus Tschechien – angeliefert haupt-sächlich per Bahn. Die restlichen 40 bis 50 Prozent kommen aus einem Umkreis von rund 150 Kilometern. Verarbeitet werden Weichhölzer, etwa 80 Prozent Fichte, 20 Prozent Kiefer. Auch hier steht Nachhaltigkeit im Vordergrund. „Wir sind in FSC und PEFC, den beiden Öko-Labels für nachhaltigen Waldbau, zertifiziert und identifizieren uns sehr stark mit den dahinterstehenden Werten“, sagt Andreas Sandner. „Es liegt ja auch in unserem Interesse, dass in 100 Jahren noch Wälder da sind.“

Auch der Holzhausbau als neuester Geschäftszweig ist eine logische Fortführung der Geschäftsstrategie, nachhaltig zu wachsen. „Im Holzhausbau sehen wir ein Segment mit enormem Potenzial. Zukunftsträchtig und wachstumsstark“, sagt Michael Wachsmann. Nicht nur renommierte Architekten wie Peter Zumthor oder Matteo Thun setzen auf Holz. Im privaten wie im öffentlichen Bereich steigt die Nachfrage nach Holzbauweise. Gründe nennt Anne Katrin Bohle, Staatssekretärin im Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat, in ihrem Grußwort zur Verleihung des Deutschen Holzbaupreises 2019: „Die Gebäude, die wir heute planen und bauen, müssen den aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen gerecht werden. Durch sozial verantwortliches und ökologisches Bauen schaffen wir zum einen den dringend benötigten bezahlbaren Wohnraum und zum anderen leisten wir einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz.“

Tief verwurzelt und weit verzweigt

Die Ziegler Group ist in den Bereichen Holz, Logistik, Hausbau und Technik sowie Dekoration tätig. Holz ist das Kerngeschäft innerhalb der Unternehmensgruppe. Das Sägewerk in der Betzenmühle in der nördlichen Oberpfalz ist das größte seiner Art in Europa. Seit 2008 ist das inhabergeführte Familienunternehmen auf stetigem Wachstumskurs. Das zeigen auch die Zahlen. Lag der Umsatz 2014 noch bei 228 Mio. Euro, waren es 2019 schon 330 Mio. Euro. Von 440 Mitarbeitern in 2014 ist die Zahl der Beschäftigten in 2019 auf 1.350 angewachsen.

OFFEN FÜR NEUES: Der Holzhausbau boomt, Ziegler ist in die Sparte eingestiegen.

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„Holzbau könnte die Wohnungsnot in Ballungszentren lindern“, sagt auch Thomas Peiß, Senior Sector Analyst für die Baubranche im Research-Team der BayernLB. Der Mangel an Facharbeitern – im September 2019 gab es im Baugewerbe trotz Rekordauftragslage immer noch 69.000 offene Stellen – sorgt dafür, dass Bauprojekte nur mit großer Zeitverzögerung realisiert werden können. „Hier könnte Holzbau ebenso wie bei der Reduktion der CO2-Emissionen des Gebäudesektors Abhilfe schaffen“, sagt Branchenkenner Peiß. Denn Holzbau ist eine interessante und zukunftsfähige Alternative zu den klassischen Baustoffen Stahl und Beton. Die Vorteile der Holzbauweise liegen auf der Hand. Ein enorm hoher Vorfertigungsgrad ermöglicht es, ein Holzhaus innerhalb von drei bis vier Monaten bezugsfertig zu errichten. Holzhäuser sind klimaneutral, die Bauweise ist nachhaltig durch nachwachsende Rohstoffe. Und natürliche Baustoffe garantieren einen hohen Wohnkomfort.

Zudem benötigt ein Holzhaus im Gegensatz zum klassischen Wohnbau, bei dem Polystyrol-Dämmungen nach Ende der Lebensdauer des Gebäudes als Sondermüll entsorgt werden müssen, keine zusätzliche Dämmung. Holz bietet selbst bei geringer Wanddicke gute Dämmeigenschaften. Branchenexperte Thomas Peiß: „Laut dem Deutschen Massivholz- und Blockhausverband in München erreichen Blockhäuser mit einer Wandstärke von mindestens 20 Zentimetern die Vorgaben der Energieeinsparverordnung. Zweischalige Wände mit Kerndämmung können sogar als Energieeffzienzhäuser klassifiziert werden.“

IM AUSTAUSCH: Michael Wachsmann und BayernLB- Kundenberaterin Petra Bär besprechen seit Jahren wichtige Entscheidungen gemeinsam.

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Das ist auch interessant, weil die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) energiesparendes Bauen im Rahmen der Gesetze zur Energieeinsparverordnung (EnEV) mit diversen Programmen fördert. Zudem ist Holz ein sehr langlebiger Rohstoff. Holzwohnhäuser haben bei entsprechender Pflege eine durchschnittliche Lebensdauer von 100 Jahren. Wegen ihres schnellen Wachstums werden im Holzbau primär Fichten aus nachhaltiger Forstwirtschaft verarbeitet.

Alles gute Gründe, warum sich immer mehr Menschen für ein Holzhaus erwärmen können. Und weil Stefan Ziegler ein Unternehmenslenker ist, der heute schon an morgen denkt, nutzt er 2019 eine Gelegenheit, die sich bietet, um ins Zukunftssegment Holzhausbau einzusteigen. Das Traditionsunternehmen Engelhardt und Geissbauer, seit mehr als 25 Jahren im Holz- und Holzfertigbau tätig, sucht seinerzeit mangels Nachfolger jemanden, der die Firma übernehmen will. Stefan Ziegler will. Der Deal läuft über die S-Unternehmensplattform der BayernLB, die den Sparkassen als exklusive Vermittlungsplattform zwischen Unternehmenskäufern und -verkäufern zur Verfügung steht. Seither bietet die Ziegler Haus GmbH ökologisch gebaute Holzfertighäuser an. Alles aus einer Hand: vom Baum zum Haus.

Und wie unterstützt die BayernLB die Ziegler Group bei der Erreichung ihrer Ziele? „Die BayernLB ist ein strategisch wichtiger Partner für uns. Sie verfügt über eine hohe Expertise, vor allem im Auslandsgeschäft. Außerdem schätzen wir die kompetente und wertschätzende Beratung in vielen unternehmerischen Entscheidungen. Nicht ohne Grund ist sie die führende Bank in der Unternehmensgruppe.“

Die wichtigsten Meilensteine

2006 Investitionen in den Ausbau des Sägewerks mit rund 70 Mio. Euro

2008 Übernahme der Firma durch Stefan Ziegler, die Nachfolgeregelung wurde mit dem Gründerpreis der Bayerischen Sparkassen ausgezeichnet.

2011 Kauf des Güterbahnhofs in Wiesau und Gründung der Logistiksparte

2016 Gründung der Ziegler Ambiente GmbH und Einstieg in den Dekobereich

2017 Übernahme der Firma Dippel in Pressat als Weiterverarbeitungsstandort für den Baumarkt und höherpreisige Produkte

2019 Übernahme der Prechtl GmbH – Spezialist für Maschinen aus dem Sägewerksbereich

2019 Übernahme der Eurosand GmbH – Marktführer im Dekorationsbereich

2019 Übernahme von Engelhardt und Geissbauer – Einstieg in den Hausbau

2019 Übernahme Tecsol Holztechnik – Einstieg in die neuen Produktsparten Brettsperrholz BSP und Brettschichtholz BSH

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