BayernLB

Kunst aus Glas, Wasser und Licht in der BayernLB

Den Innenhof der BayernLB in München schmückt ein ganz besonderes Kunstwerk – ein Glasbrunnen des bayerischen Künstlers und Designers Florian Lechner. Errichtet wurde er 1982, also vor rund 40 Jahren. Damals war er eine Novität. Anlässlich der aktuellen Ausstellung des Künstlers in der Galerie Handwerk kann man den Prozess der Entstehung noch einmal ansehen. Wir sprachen mit Florian Lechner über sein Werk, über Glas, Wasser, Licht und Kunst. Von Sophie Zehendner

© BayernLB

Herr Lechner, der Glasbrunnen der Bayern LB war der Erste seiner Art. Was macht ihn so besonders?

Es ist die wirkungsvolle Verbindung aus Wasser, Licht und geschmolzenem Glas. Wenn es nur Glas wäre, gäbe es nicht diesen Reichtum und die vielen Brechungen. Durch die Struktur des Glases, die Gaseinschlüsse und das Wasser kann das Licht öfter gebrochen und eingefangen werden. Wenn man sich etwas Zeit nimmt und den Brunnen näher betrachtet, entdeckt man viele Details und Formen. Das macht den Brunnen so besonders.

Wenn man von oben auf den Brunnen blickt, erkennt man, dass er die Form des BayernLB-Gebäudes widerspiegelt. Inwieweit hat die Architektur bei der Entstehung des Brunnens eine Rolle gespielt?

Das Gebäude ist an und für sich bereits formgebend. Für mich ist es logisch, dass ich das im Zentrum fokussiere und dann kristallin den Akzent gebe, mit der Formsprache der Architektur. Der leichte Blauton des Gebäudes hat eine Nähe zum Wasser und Licht, spielt aber nur als Hintergrund eine Rolle. Dadurch, dass der Brunnen ohne Farbe ist, kann er sich neutral verhalten und andere Farben aufnehmen.

Wie sind Sie zu dem Projekt gekommen?

Die Architekten des Gebäudes waren von der Idee fasziniert, eine Verbindung zwischen Glas, Wasser und Licht im Zentrum von München zu schaffen. Da es zu dieser Zeit niemand anderen gab, der in dieser Richtung arbeitete, bin ich ins Gespräch gekommen. Dann habe ich Modelle gebaut und diese dem Vorstand vorgestellt.

Wieso ist es ein Brunnen geworden?

Brunnen bringen einen Wert mit sich, der über den materiellen hinausgeht. In der Nähe von Wasser ist die Luft immer frisch. Die Atmosphäre ist gut und man fühlt sich bereits erfrischt, ohne dass man eintauchen muss. Man sieht auch immer wieder Menschen um den Brunnen, die sich gerne dort aufhalten. Sie könnten sich auch woanders hinsetzen. Aber sie gehen zum Brunnen, weil er lebendig ist. Wasser und Licht sind Symbole für das Leben.

War von vornherein klar, dass der Brunnen in der BayernLB ein Glasbrunnen wird?

Nein. Es gab noch ein alternatives Modell eines Steinbrunnens und im Vorstand zwei Lager. Die eine Hälfte empfand es als unmöglich, mitten in München einen Glasbrunnen zu stellen und sah nur Probleme, die dadurch entstehen könnten. Die andere Hälfte meinte, dass dann ja jede Glasfassade ein Problem wäre. Durchgesetzt hat sich letztendlich der Lichtgedanke. Darüber bin ich natürlich froh und der Landesbank dankbar.

Glas ist erstmal ein sehr alltäglicher Gegenstand. Deswegen eine ganz banale Frage: Wie wird Glas zu Kunst?

Glas ist der erste Kunst-Stoff des Menschen und kommt in der Natur nur sehr selten vor. Das Wissen über Licht, die Kenntnis, mit Licht umzugehen und es über Spiegelung und Brechung sichtbar zu machen – kombiniert mit der Idee, etwas zu schaffen und verändern zu wollen, daraus entsteht meistens Kunst.

Die Arbeit mit dem Material Glas ist der Schwerpunkt ihrer Kunst. Was fasziniert Sie an dem Material Glas?

Zum Glas gekommen bin ich über den Besuch einer der schönsten Kathedralen der Welt, Chartres, in der Nähe von Versailles. Das Licht, das durch die Fenster der Kathedrale strahlt, ist wie ein magischer Sog. Das hat mich sehr beeindruckt. Diese Verbindung zwischen Glas und durch Spiegelung und Brechung erzeugtem Licht ist ungeheuer faszinierend.

Wie viel Glas wurde für den Brunnen verarbeitet?

Circa drei Tonnen schätze ich, es sind sehr dicke Platten. Übrigens: bei der allerletzten Tafel, morgens um fünf Uhr - meine Mitarbeiter waren alle schon gegangen -, ist mir die letzte Platte noch auf den Fuß gefallen. Somit war der letzte Akt ein gebrochener Fuß.

Der Brunnen war eines Ihrer ersten Projekte. Besuchen Sie ihn manchmal noch?

Sehr oft, wenn ich in München bin. Wegen der zentralen Lage läuft man an der BayernLB ja häufig vorbei. Und manchmal gehe ich in den für jedermann zugänglichen Innenhof hinein, auch um kritisch zu sehen, wie der Brunnen nach all den Jahren funktioniert. Denn zum einen ist die Anlage sehr aufwendig und muss regelmäßig gewartet werden, sonst verstopfen die Düsen und der Brunnen verkalkt. Und zum anderen ist es wichtig, wie der pH-Wert des Wassers eingestellt ist. Denn saures Wasser kann das Glas beschädigen.

Florian Lechner

Florian Lechner (82) ist ein in München geborener Künstler und Designer. Nach seinen Studien in Kunsterziehung und Malerei an der Werkakademie Kassel arbeitet er experimentell mit Glas sowie Licht, Klang und Bewegung. Für seine Kunstwerke erhielt er eine Vielzahl von Auszeichnungen. Darunter den ersten Preis für den Wettbewerb des Brunnens der BayernLB. Seine aktuelle Ausstellung „Materialisiertes Licht“ in der Galerie Handwerk geht noch bis 14.11.2020 und ist auch trotz der Beschränkungen zu sehen. Dafür wird die Ausstellung ab 6.11.2020 modifiziert und inhaltlich komprimiert, sodass die Kunstwerke aus der Distanz erlebbar sind.

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