BayernLB

M-net: Am Netz der Zukunft

Mit der Vision, das „Tor zur Welt“ zu werden, startete M-net vor 25 Jahren als Start-up für Telekommunikation. Heute betreiben die Münchner ein blitzschnelles Glasfasernetz, von dem der Wirtschaftsstandort Bayern profitiert. Von Barbara Seifener

© Getty Images / Sjo

„Nimm 60 Teile Sand, 180 Teile Asche aus Meerespflanzen, 5 Teile Kreide und du erhältst Glas.“ Als das wohl älteste überlieferte Glasrezept im 7. Jahrhundert vor Christus in die Bibliotheken Einzug hielt, ahnte wohl niemand das Potenzial, das in dem Material steckt. Tatsächlich können Glasfasern als Lichtwellenleiter zur Datenübertragung eingesetzt werden, und zwar mit deutlich höheren Bandbreiten als die in vielen Teilen Deutschlands nach wie vor verbreiteten Kupferkabel. Darüber können sich zahlreiche Haushalte und Firmen in München und Umgebung freuen. Denn Bayerns Landeshauptstadt verfügt dank umfassender Investitionen von M-net in den vergangenen Jahren über eines der modernsten und schnellsten Glasfasernetze in Europa. Im Zeitalter der Digitalisierung ist das ein klarer Standortvorteil oder, wie es Nelson Killius, Sprecher der Geschäftsführung von M-net, salopp formuliert, „die beste Technologie seit geschnitten Brot“.

Die Weichen dafür wurden Mitte der 90er-Jahre gestellt, als die Europäische Union die nationalen Telekommunikationsmärkte liberalisierte. Am 30. Juli 1996 unterzeichneten die Stadtwerke München, die Stadtsparkasse München, Bayernwerk Netkom sowie die BayernLB den Gründungsvertrag der M-net Telekommunikations GmbH. Dieses Datum markierte die Geburtsstunde des kommunalen Start-ups, das heute zu den führenden Glasfaseranbietern Bayerns gehört.

M-net etablierte sich rasch auf dem Münchner Heimatmarkt. Nach der Jahrtausendwende wuchs das Unternehmen auch durch Zusammenschlüsse mit dem Nürnberger Anbieter NEFkom (2004) oder der im Allgäu und in Schwaben aktiven AugustaKom (2006). Heute werden neben vielen Regionen im Freistaat auch der Großraum Ulm und weite Teile des hessischen Main-Kinzig-Kreises mit Telekommunikationsdienstleistungen versorgt. Das Netz deckt rund 180 Städte und Gemeinden ab.

Das Credo der Münchner Glasfaser-Pioniere lautet „Aus der Region – für die Region“. „Wir sind nicht nur in den Ballungsräumen stark vertreten, sondern auch im ländlichen Raum“, betont Hermann Rodler, der als technischer Geschäftsführer Netzplanung und Netzbetrieb verantwortet. Ziel sei es, die Breitbandversorgung flächendeckend zu entwickeln und für ausgewogene Lebensverhältnisse in Stadt und Land zu sorgen. Rodler weiter: „Wir stärken mit unseren Angeboten den gesamten Wirtschaftsstandort Bayern.“

Mehrfach ausgezeichnet

Während M-net ursprünglich allein auf das Geschäftskundensegment mit Sprach- und Datendiensten bis hin zur umfassenden Standortvernetzung fokussiert war, ist das in den vergangenen zehn Jahren aufgebaute und entwickelte Privatkundengeschäft heute die zweite wichtige Ertragssäule. Die mehrfache Auszeichnung als bester lokaler Anbieter Deutschlands beim Festnetztest des Magazins Connect belegt die hohe Kundenzufriedenheit. Zusammen machen das Geschäfts- und das Privatkundengeschäft heute mehr als 95 Prozent des Umsatzes aus, der sich 2019 auf 260 Millionen Euro belief.

Gewachsen ist M-net auch an den Anforderungen der BayernLB. Die Bank unterstützte das neu gegründete Unternehmen in den Anfangsjahren mit betriebswirtschaftlichem und personellem Know-how. Heute ist das Institut Hausbank und strategischer Finanzierungspartner. „Unser kontinuierlicher Ansporn war es von Beginn an, den Vorstellungen der BayernLB hinsichtlich Zuverlässigkeit und Sicherheit mit wettbewerbsfähigen Konditionen zu begegnen“, sagt Nelson Killius. An diesen Ansprüchen ist M-net gewachsen und kann sich im internationalen Wettbewerb oder bei Großprojekten von DAX-Konzernen behaupten.

Neben klassischen Telekommunikationsdiensten hat M-net in den vergangenen Jahren weitere Geschäftsfelder entwickelt. Eines davon ist die Medienversorgung für Firmen der Wohnungswirtschaft. Ihnen bietet M-net alles vom Glasfaseranschluss ins Haus (Fiber to the Building, FTTB) oder in die Wohnung (Fiber to the Home, FTTH) über den leistungsfähigen Kabelanschluss für die Versorgung mit Kabelfernsehen und Hörfunk bis hin zum Breitband-Internetanschluss an. Mit solchen Angeboten für eine zukunftssichere digitale Infrastruktur lässt sich der Wert einer Immobilie erheblich steigern. Dieser Vorteil bietet sich, nach der Einschätzung von Immobilienexperten, privaten Immobilienbesitzern, aber natürlich auch Wohnungsbau- und Eigentümergemeinschaften.

Darüber hinaus ist M-net in die Vermarktung der eigenen Infrastruktur über sogenannte Wholesale-Kooperationen eingestiegen. Beim Netzausbau setzt das Unternehmen auf Kooperationen mit Infrastrukturpartnern, anderen Netzbetreibern und Kommunen, die zunächst nur die passive Infrastruktur bauen, also die Glasfaserleitungen verlegen. M-net errichtet und betreibt anschließend das aktive Netzwerk und verantwortet alle Kundenangebote, die endkundenrelevanten Dienste und den dazugehörigen Service. Dabei bekennt sich M-net klar zu einem „Open Access“. Das heißt, die Glasfaser-Infrastruktur steht auch Kunden anderer Telekommunikationsanbieter zur Verfügung. Damit lassen sich in Summe deutlich höhere Marktanteile erzielen – und deutlich mehr Nutzer tragen dazu bei, den Netzausbau zu refinanzieren. „Auf diese Weise entstehen eine größere Anbieter- und Produktvielfalt für die Kunden, größere Vermarktungschancen für die einzelnen Anbieter und höhere Erträge für den Eigentümer des passiven Netzes“, fasst Hermann Rodler zusammen. Wichtiger aber noch, ergänzt er, sei es, ökologisch und ökonomisch sinnvoll zu haushalten. „Einen Überbau einer bestehenden Glasfaser-Infrastruktur“, pflichtet ihm Nelson Killius bei, gilt es dabei zu vermeiden.

M-net Geschäftsführer Nelson Killius und Hermann Rodler

© M-net

Die Glasfaserpioniere

Mit ihrer frühzeitigen Entscheidung, auf Glasfaser zu setzen, bewies M-net den richtigen „Riecher“ und schuf die Basis für ihre heute herausragende Positionierung am Markt. Die Vision, lebenswerte und vernetzte Städte – sogenannte Smart Cities – zu schaffen, stützt M-net dabei als technologisches „Rückgrat“, das in Zukunft wesentlicher Faktor für autonomes Fahren, die Energie- und Verkehrssteuerung und viele andere Echtzeitanwendungen sein wird.

Derzeit sind es vor allem drei Aspekte, so Killius, die die Entwicklung des Unternehmens prägen:

1. Strategie: 2019 hat sich M-net im Rahmen der neuen Unternehmensstrategie klar zu FTTH als langfristiger Zieltechnologie bzw. Infrastruktur der Zukunft bekannt. Denn nur der Glasfaser-Anschluss bis direkt in die Wohnung oder ins Büro ermöglicht ausreichend hohe und stabile Bandbreiten, um den immer weiter steigenden Bedarf der Internetnutzer zu decken. Schon heute werden über das Glasfasernetz Bandbreiten von bis zu 1 Gbit/s auch für Privatnutzer angeboten. Dabei ist die Leistung von Glasfaser bei geeigneter Netzarchitektur – ohne die technisch bedingten Verluste bei der Umschaltung auf elektronische Komponenten oder gar auf Kupferleitungen im Haus – sogar nahezu unbegrenzt. Im Rahmen eines der ersten Projekte kamen im vergangenen Jahr bereits knapp 400 Parteien im Münchner Olympiadorf in den Genuss einer neuen FTTH-Infrastruktur von M-net.

2. Technologie: Das moderne Netzdesign in einer besonders ausfallsicheren Ringstruktur im neuen Glasfaser-Kernnetz von M-net – dem Bayernring – war und ist wegweisend. Damit gelang dem innovationsstarken vollintegrierten Glasfaseranbieter im vergangenen Jahr ein Weltrekord: Erstmals wurde eine Datenrate von 500 Gigabit pro Sekunde auf einer einzelnen Wellenlänge des Lichts erzielt. Das europaweit einzigartige Quanten-Netz verbindet Bayerns Ballungszentren über eine rund 1.200 Kilometer lange Hochgeschwindigkeits-Datenautobahn mit dem weltweit größten Internetknoten DE-CIX in Frankfurt am Main. Ohne Umwandlung in elektrische Signale kann über eine Glasfaser, in etwa so dick wie ein menschliches Haar, mit der Quantentechnologie von M-net eine Bandbreite von 76 Terabit pro Sekunde übertragen werden. Auf die Leistungs- und Innovationsstärke, die die Position von M-net als Benchmark im Telekommunikationsmarkt unterstreicht, kann das Unternehmen stolz sein. „Damit könnte die gesamte Information der Bayerischen Staatsbibliothek mit einem Datenvolumen von 928 Terabyte in weniger als zwei Minuten heruntergeladen werden“, sagt Geschäftsführer Hermann Rodler – und das stabiler, sicherer und im Vergleich zu herkömmlichen Kupferleitungen sowohl energetisch als auch mit Blick auf die Kosten um den Faktor 8 bis 10 günstiger. Würden alle Münchner Haushalte über Glasfaser versorgt, könnten in der Stadt jährlich 330.000 Tonnen CO2 eingespart werden – und aufgrund der in Zukunft fälligen CO2-Steuer auch signifikante Kostenvorteile erzielt werden.

3. Marktumfeld: Marktveränderungen und das verstärkte Augenmerk der Politik machen einen zunehmenden Bedarf an schnellen Internetzugängen erforderlich. „Gerade in der Corona-Pandemie hat sich bestätigt, was schon vor 25 Jahren die Vision der Unternehmensgründung war“, so Nelson Killius. „Der Internetanschluss ist heute mehr denn je zum Tor zur Welt avanciert.“ Kein Wunder, schließlich müssen Eltern und Kinder heute gleichzeitig von zu Hause aus auf Schul-Apps, Streamingdienste, Homeoffice oder Videokonferenzen zugreifen. „New Work“ gewinnt in der Infrastrukturplanung für Unternehmen wie Privatkunden zunehmend an Bedeutung. „Diese große Chance, aber auch die damit verbundene Verantwortung nehmen wir sehr gerne wahr“, so Nelson Killius. Den Ausbau ihres Glasfasernetzes will M-net auch in den kommenden Jahren vorantreiben. Doch die Tiefbaukosten sind hoch, die Tiefbauressourcen knapp und die Genehmigungsverfahren aufwendig. Damit Bayerns Regionen trotzdem flächendeckend erschlossen werden, bestehe erheblicher Investitionsbedarf, erklärt Paul Kerber, kaufmännischer Leiter Bereich Finanzen & Beschaffung bei M-net. Neue Potenziale entstehen künftig auch mit der „Hochzeit von Glasfaser und Mobilfunk“, 5G, der fünften Generation der Mobilfunktechnologie. Durch diese wird nicht nur die mobile Kommunikation im öffentlichen Bereich verbessert oder die autonome Mobilität ermöglicht.

© M-net

Vertriebsmitarbeiter der anderen Art

Neue Perspektiven entstehen auch in der Industrie im Rahmen weiterer Automatisierung und Digitalisierung. Der 5G-Ausbau erfordert eine leistungsstarke Glasfaser-Anbindung und eine entsprechende Infrastruktur. Von der Stadt München beauftragt, starten M-net und die Stadtwerke München gemeinsam mit Mobilfunkbetreibern nun eine Pilotphase. „Wir setzen dabei auf langjährige und verlässliche Partner, die mit uns auf Augenhöhe und mit einem gemeinsamen Werteverständnis agieren. Auch in der künftigen Zusammenarbeit spielt die BayernLB daher als eine unserer Kernbanken eine tragende Rolle!“, so Paul Kerber.

Doch bei allem Dienst am Fortschritt ist sich M-net ihrer sozialen und gesellschaftlichen Verantwortung bewusst. So initiierten die Münchner gemeinsam mit dem Bayerischen Roten Kreuz unter dem Motto „Wir verbinden Euch“ während der Corona-Pandemie kurzerhand eine Spendenaktion für mobile Endgeräte. Ebenso setzt M-net sich seit Jahren mit dem Projekt „Sicher durchs Netz“ für einen bewussten und verantwortungsvollen Umgang mit dem Internet ein. Auch auf die hybride Arbeitswelt war M-net in der neuen Münchner Firmenzentrale „M-Cube“ mit einer modernen Arbeitsumgebung und einer mobilen Arbeitsausstattung für nahezu alle Mitarbeiter gerüstet. Botschafter sind auch die 30.000 „Vertriebsmitarbeiter“, zwei Bienenvölker, die im August 2019 im Rahmen eines Mitarbeiterprojekts als Beitrag zur Artenvielfalt am Standort der Unternehmenszentrale ein neues Zuhause gefunden haben.

M-net: Daten & Fakten

  • rund 260 Mio. EUR Umsatz (in 2019)
  • rund 850 Mitarbeiter
  • Auszeichnung als Anbieter mit dem besten Netz Bayerns beim Connect Festnetztest – zum fünften Mal in Folge
  • Siegel als eines der fünf innovativsten Unternehmen der Branche – zum dritten Mal in Folge, verliehen von Focus-Money und Deutschland Test
  • mehr als 500 Mio. EUR Investitionen in den Ausbau des Münchner Glasfasernetzes durch SWM und M-net von 2010 bis 2021; bis 2021 werden rund 70 Prozent aller privaten und gewerblichen Haushalte in München erschlossen sein
  • rund 500.000 aktive Privat- und Geschäftskundenanschlüsse (in München, Bayern, im Großraum Ulm und dem hessischen Landkreis Main-Kinzig)
  • 770.000 versorgbare Glasfaser-Anschlüsse gesamt (Fiber to the Curb/FTTC, FTTB und FTTH)
  • Firmensitz ist München; Vertriebsniederlassungen in Augsburg, Kempten und Nürnberg
  • mit sechs kommunalen, regionalen Energieversorgern – Stadtwerke München und Augsburg, Allgäuer Überlandwerk, N-ERGIE, infra fürth und Erlanger Stadtwerke – starker und etablierter Gesellschafterkreis

M-net im Internet:

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