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Gold in Zeiten von Corona – ein Interview

160 Tonnen Gold und Silber in einem Monat: Aufgrund der Coronakrise ist die Nachfrage nach Edelmetallen regelrecht explodiert. Michael Eubel, Leiter der Abteilung Sorten und Edelmetalle bei der BayernLB spricht im Interview über sichere Häfen, vorausschauende Lagerhaltung und die Vorteile von Sparplänen.

Michael Eubel ist Leiter der Abteilung Sorten und Edelmetalle bei der BayernLB

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Herr Eubel, im Zuge der Corona-Krise haben Sie im März so viele physische Edelmetalle umgesetzt wie noch nie. Das hatte die BayernLB bei der Bilanzvorlage Anfang April bekanntgegeben. Hat sich die Lage seitdem wieder entspannt?

Die extremen Nachfragespitzen sind vorerst passe; die Lage hat sich seit Ostern schrittweise normalisiert. Jetzt ist die Zahl der Orders ziemlich stabil, allerdings auf einem deutlich höheren Level als vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie. Das werten wir als Zeichen dafür, dass physische Edelmetalle mehr und mehr zu einer Standard-Anlageklasse werden.

Sie handeln mit Barren und Münzen, die wie alle physischen Güter transportiert werden müssen. Welche Gewichte haben Sie und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den vergangenen, turbulenten Wochen bewegt?

Die Mannschaft hat eine außergewöhnliche Leistung vollbracht – auch körperlich. Sie müssen sich vorstellen, dass wir im März den bis dahin umsatzstärksten Monat um den Faktor zwei getoppt haben. Das war der September 2008 als die US-Investmentbank Lehman Brothers Insolvenz anmelden musste. Schon da war einiges los, aber jetzt haben wir das doppelte Volumen bewältigt. Im Ergebnis haben wir im März 2020 fast 160 Tonnen physisches Gold und Silber gehandelt. Diese Masse müssen sie logistisch erstmal aus dem Lager auf die Straße bringen. Zum Vergleich: Ein Jahr vorher, im März 2019 waren es lediglich 40 Tonnen. Und das war schon ein starker Monat.

Gold gilt als Krisenwährung. Befeuert die Sorgen der Anleger vor einer weltweiten Rezession die Nachfrage?

Ja, die Muster sind immer identisch: In der Krise sind Edelmetalle als sicherer Hafen gefragt. Dann steht der Werterhalt des Vermögens im Vordergrund. Das war schon vor 5.000 Jahren so. Und deshalb haben wir in den vergangenen Jahren während der Euro-Schuldenkrise oder der Finanzkrise immer Nachfragespitzen gesehen. Aktuell haben vor allem die Sorge um die wirtschaftliche Entwicklung, die immensen Schwankungen am Aktienmarkt, die Debatten über die Stabilität der Immobilienmärkte und Inflationssorgen die Nachfrage massiv getrieben.

Im März und April war der Markt für physische Edelmetalle teilweise leergefegt und viele Anbieter konnten die Wünsche ihrer Kunden nicht bedienen. Die BayernLB war als einer der größten Edelmetallhändler hingegen stets lieferfähig. Wie war das möglich?

Wir waren für die Kunden der Sparkassen zu jeder Zeit in allen wichtigen Produktkategorien lieferfähig – bis hin zu 1-Kilo-Gold und 15-Kilo-Silberbarren. Es gab auch keine maximale Bestellobergrenze. Das war möglich, weil wir unsere Bestände in der ersten März-Woche signifikant erhöht hatten. Da zeichnete sich schon ab, welche Tragweite die Pandemie haben könnte und wie sich das auf die Lieferketten auswirken könnte. Das Edelmetallgeschäft ist sehr global. Es gibt Minen in Australien, Südafrika, Kanada oder den USA. Dort stand zumindest vorübergehend überall die Produktion still. Es gab also keine neue Ware mehr, zugleich waren viele Grenzen ohnehin dicht. Der Markt war ausgetrocknet. Dank der Weitsicht unserer Fachleute und langjähriger Lieferbeziehungen hatten wir da die Lagerhaltung schon verdoppelt und konnten die Wünsche der Kunden bedienen.

Trotzdem hat auch die BayernLB nicht alle Aufträge angenommen …

Wir waren lieferfähig, haben den Eingangskanal aber bewusst gedrosselt. Ziel war es, die eingehenden Bestellungen taggleich abarbeiten zu können. Uns waren Sicherheit und Verlässlichkeit im Sinne aller unserer Kunden wichtiger als Umsatzmaximierung. Schließlich bestand das Risiko, dass auch wir den Betrieb einstellen müssen, wenn es in unserem Team zu einer Infektion kommt. Um zu vermeiden, dass dann eine große Zahl von Aufträgen unbearbeitet liegen bleibt, haben wir entschieden, uns als Landesbank vor allem auf die Sparkassenkunden zu fokussieren. Zudem haben wir einen Zweischichtbetrieb eingeführt, um möglichst viele Aufträge erledigen zu können. Auf diese Weise ist es uns gelungen, jeden Tag nahezu ohne Rückstände zu beenden.

Der Goldpreis hat in den vergangenen Wochen in Euro gerechnet einen neuen Spitzenwert erreicht. Zuletzt hat er sich auch an das in US-Dollar gerechnet Allzeithoch von 1.934 US-Dollar angenähert. Wie ist Ihre Einschätzung zur weiteren Goldpreisentwicklung?

Ich halte einen Preis von 2.000 Dollar je Unze in absehbarer Zeit für möglich. Damit würde auch der Höchststand aus dem Jahr 2011 geknackt. Maßgeblich für die weitere Preisentwicklung ist für mich die Frage, wie gut wir die Corona-Pandemie in den Griff bekommen und ob wir aufgrund der Wachstumseinbußen und hohen Haushaltsdefizite wieder in eine Debatte über Staatsverschuldung hineinlaufen. Das würde die Sorgen vieler Anleger befeuern und den Preisen weiteren Auftrieb verleihen.

Anders als bei Gold ist der Preis für Silber nicht so stark gestiegen. Worauf ist das zurückzuführen?

Anders als Gold ist Silber auch ein Industriemetall. Etwa 50 bis 60 Prozent der weltweiten Silbernachfrage stellen Unternehmen. Der weltweite Stillstand der Wirtschaft durch die Coronakrise hat diese Nachfrage und damit auch die Kursentwicklung gedämpft.

Sollten Anleger dann nicht zu Silber greifen, um von Aufholpotenzialen zu profitieren?

Ich würde Anlegern derzeit eher zu einem Investment in physisches Gold als in Silber raten. Dabei spielt auch eine Rolle, dass bei Silberprodukten derzeit noch ein hohes Aufgeld fällig wird. Das heißt, Anleger zahlen zusätzlich zum Materialwert einen Aufpreis, weil bei einigen Silberprodukten noch immer Engpässe bestehen. Die werden sich demnächst aber geben, wenn überall die Produktion wieder im Normalbetrieb läuft. Zumindest, solange kein erneuter Shutdown kommt.

Was empfehlen Sie Anlegern, die noch nicht in physische Edelmetalle investiert haben und jetzt einsteigen wollen?

Das hängt wie immer bei Anlagefragen von individuellen Faktoren wie dem Einkommen, der Vermögenslage, dem Familienstand oder Alter ab. Wer sich unsicher ist, sollte auf jeden Fall seinen Sparkassenberater ansprechen. Ich würde nicht alle Eier in einen Korb legen und physische Edelmetalle als Beimischung für das Portfolio empfehlen. Derzeit scheint mir Gold attraktiver als Silber zu sein. Ob es dann ein Barren oder eine Münze sein soll, ist eine Frage des Geldbeutels. Dabei ist zu beachten, dass das Aufgeld umso höher ausfällt, je kleiner das Stück Edelmetall ist. Deshalb kommt es unter dem Strich teurer vier kleine Barren zu kaufen als einen großen Barren, der genauso viel auf die Waage bringt.

Viele Sparkassen bieten mittlerweile Edelmetallsparpläne für Privatanleger an. Was ist der Vorteil?

Der Vorteil von Edelmetallsparplänen ist, dass jeder Anleger schon mit einem geringen monatlichen Sparbetrag einsteigen kann. Sie müssen also nicht eine Unze Gold für 1.700 Dollar kaufen. Sie können auch mit 50 Euro im Monat einsteigen, die vom Anbieter aber mit physischen Edelmetallen hinterlegt werden. Und dafür brauchen Sie noch nicht einmal ein Depot. Die BayernLB kooperiert hier mit dem Anbieter Solit, der Sparpläne für Gold, Silber, aber auch Platin und Palladium im Programm hat – und zwar steuerfrei. Dieses Angebot haben mittlerweile bundesweit mehr als 75 Sparkassen und auch die BayernLB-Tochter DKB im Programm. Das halte ich für den einfachsten Weg, um in die Welt der Edelmetalle einzusteigen.

Herr Eubel, vielen Dank für das Gespräch!