BayernLB

Herr Weigl, wie organisiert man einen Marathon?

Am 9. Mai fällt in München der Startschuss zum 45. Deutschen Sparkassen-Marathon. Der von BayernLB und DKB ausgerichtete Lauf ist Sportspektakel und Mammutprojekt zugleich. Gernot Weigl, Kopf des Organisationsteams spricht im Interview über den Zieleinlauf im Olympiastadion, die Bedeutung guter Behördenkontakte und warum er 600 Kilogramm Bananen ranschaffen muss.

Herr Weigl, in einigen Wochen startet der Sparkassen-Marathon. Haben Sie als Organisationschef schon schlaflose Nächte aus Sorge etwas zu vergessen?

Keine Sorge, ich schlafe gut. Der Sparkassen-Marathon ist ja nicht der erste Lauf in dieser Größenordnung, den mein Team und ich organisieren. Wir sind seit dem Jahr 2000 für den München Marathon zuständig, der jedes Jahr am zweiten Oktober-Wochenende stattfindet. Da haben zuletzt mehr als 20.000 Läuferinnen und Läufer teilgenommen. Wir verfügen also über die erforderliche Erfahrung, um so eine Veranstaltung zu stemmen. Ich bin deshalb sehr zuversichtlich, dass der Sparkassen-Marathon ein tolles Erlebnis für alle Mitglieder der Sparkassenfamilie wird.

Was sind die Erfolgsfaktoren, damit so eine Großveranstaltung gelingt?

Sie brauchen ein funktionierendes Team. Bei uns ist das eine Handvoll Personen, die nicht nur eingespielt sind, sondern auch über gute Beziehungen zu den relevanten Ansprechpartnern verfügen. Die Läufe finden zum Großteil auf öffentlichem Grund statt. Das heißt, es ist immer eine Genehmigung der Stadt München erforderlich. Da helfen natürlich unsere guten Kontakte zu den Verkehrs-, Sicherheits- und Notdiensten. Dann müssen sie sich mit den Verkehrs- und Taxiunternehmen absprechen, mit der Polizei oder dem Roten Kreuz. Zwanzig Jahre Erfahrung zahlen sich halt aus.

Gernot Weigl ist Geschäftsführer der München Marathon GmbH. Im Auftrag von BayernLB und DKB organisiert er den 45. Deutschen Sparkassen-Marathon.

© München Marathon GmbH

Bis zum Sparkassen-Marathon ist es nicht mehr lange hin. Was haben Sie schon geschafft, worum müssen Sie sich noch kümmern?

Wir haben vor rund einem Jahr die Vereinbarung mit der BayernLB und der DKB getroffen. Seitdem bereiten wir den Lauf vor. Ein Meilenstein war beispielsweise der 13. Oktober 2019. An diesem Tag haben wir die Anmeldefunktion auf der Webseite www.sparkassen-marathon2020.de freigeschaltet. Seitdem können sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Sparkassen-Organisation für den Lauf registrieren lassen. Rund 1.000 Anmeldungen liegen schon vor (Stand: Mitte Februar 2020). Parallel dazu haben wir Gespräche mit Vertretern des Münchner Olympiaparks geführt, in dem der Lauf stattfindet. Wir haben mit dem Kreisverwaltungsreferat gesprochen und den Mitgliedern der Sparkassen-Marathon-Kommission Bericht erstattet. Wir haben die Logistikanforderungen im Olympiastadion eingeleitet und sind dabei, ein Sicherheitskonzept zu erstellen. Zwischenzeitlich ist die Laufstrecke offiziell durch Vertreter des Bayerischen Leichtathletik-Verbandes vermessen worden. Ein entsprechendes Zertifikat haben wir bereits bekommen.

Was steht bis zum 9. Mai noch an?

Eine ganze Menge. Wir brauchen zum Beispiel noch rund 150 Helfer, die wir an den neuralgischen Punkten der Strecke postieren. Dann müssen wir für die Absicherung der Strecke mit Gittern sorgen und die Medaillen bestellen, die alle Teilnehmer erhalten. Natürlich sorgen wir auch für die Siegerpokale für die Erstplatzierten bei den verschiedensten Altersklassen. Außerdem müssen wir Duschmöglichkeiten bereitstellen und mobile Toilettenhäuschen entlang der Strecke aufstellen. Sie sehen, uns wird in den kommenden Wochen nicht langweilig werden.

Es werden bis zu 4.000 Läufer erwartet. Wie werden die versorgt?

Wie es sich für einen ordentlichen Marathon gehört, wird es am Vortag des Sparkassen-Marathons im Rahmen der Startnummernausgabe eine Nudelparty geben. Da wird etwa eine halbe Tonne Nudeln zubereitet, damit die Energiespeicher gefüllt sind. Am Lauftag selbst versorgen wir Läufer entlang der Strecke unter anderem mit rund 15.000 Liter Münchner Trinkwasser, 2.000 Energieriegeln und 600 Kilo Bananen. Am Abend steht dann noch die Siegerehrung im Audi Dome mit ausreichend Getränken und Snacks auf dem Programm.

Rundkurs durch den Olympiapark: Die offiziell vermessene Strecke ist rund zehn Kilometer lang.

© MÜNCHEN MARATHON GmbH

Die Strecke des Sparkassen-Marathons ist ein zehn Kilometer langer Rundkurs durch den Münchner Olympiapark. Was gibt es für Highlights?

Start und Zieleinlauf für alle Distanzen sind im Münchner Olympiastadion. Das ist etwas absolut Besonderes, weil es nicht alltäglich ist so eine traditionsreiche Sportstätte für einen Lauf zu nutzen. Zumal ich dort mit einer tollen Stimmung mit Musik, Moderation und Hunderten von Zuschauern rechne. Deshalb haben wir uns sehr gefreut, dass die von uns geplante Streckenführung genehmigt wurde.

Der US-Amerikaner Frank Shorter hat am 10. September 1972 den Marathon bei den Olympische Spielen in München mit einer Zeit von 2:12 Stunden gewonnen. Werden wir solche Zeiten auch beim Sparkassen-Marathon fast 50 Jahre später sehen?

Davon gehe ich nicht aus. Shorter war ein herausragender Athlet – und übrigens ein gebürtiger Münchner, sein Vater war Ende der 40er-Jahre in der McGraw-Kaserne beschäftigt. Ich schätze, dass wir beim Münchner Sparkassen-Marathon bei den Männern eine Zeit um die zweieinhalb Stunden erreichen werden. Bei den Frauen kann ich mir vorstellen, dass die Siegerin eine Zeit von knapp unter drei Stunden läuft.

Wie ist ihre persönliche Bestzeit bei einem Marathon?

Als ich jünger war, habe ich mal 3:40 geschafft. Mein Talent liegt eher beim Organisieren von Großveranstaltungen als beim Laufen von Marathons.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Weigl!