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Ausbau der Energienetze

Deutschland steckt im Energietrilemma: Im Rahmen der Energiewende soll der Ausstoß klimaschädlicher Gase wie CO2 reduziert werden. Gleichzeitig gilt es, die deutsche Stromversorgung weiterhin zuverlässig und bezahlbar zu halten. Kein leichtes Unterfangen, führt doch angesichts des geplanten Umbaus der deutschen Stromerzeugung an einem umfassenden Um- und Ausbau der deutschen Stromnetze aber kein Weg vorbei.

Die Attraktivität von Elektromobilen hängt insbesondere von ihrer Reichweite ab – sie hängt maßgeblich von der Qualität der Akkus ab.

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Wege aus dem Netzengpass

Ziel aller Bemühungen im Rahmen der Energiewende ist es, den Ausstoß klimaschädlicher Gase wie CO2 zu reduzieren. Gleichzeitig soll die deutsche Stromversorgung weiterhin zuverlässig und bezahlbar bleiben (Energietrilemma). Zwar kann durch Optimierung der Eigenstromerzeugung, durch den Stromspeicherausbau und den Einsatz von „Smart-Grid“-Technologie das bestehende Stromnetz effizienter als bislang genutzt und der Netzausbaubedarf damit reduziert werden. Angesichts des geplanten Umbaus der deutschen Stromerzeugung führt an einem umfassenden Um- und Ausbau der deutschen Stromnetze aber kein Weg vorbei.

Stromautobahnen sollen Nord-Süd-Gefälle beheben

Das bislang auf wenige große konventionelle Kraftwerke bzw. Atomkraft-Stromerzeuger ausgelegte deutsche Stromnetz ist vor dem Hintergrund der Energiewende aus- bzw. umzubauen. Stromnetze müssen künftig immer mehr Strom aus erneuerbaren Energien nicht nur verteilen, sondern auch aufnehmen können. So steigt die Anzahl der „Prosumer“-Kunden, die Strom abnehmen und gleichzeitig über ihre PV-Dachanlagen Strom ins Netz einspeisen, mit dem weiteren Zubau von Photovoltaik-Anlagen stetig an. Dem Ungleichgewicht zwischen hohem Windstromangebot im Norden Deutschlands und hohem Strombedarf im wirtschaftsstarken Süden wird durch den Bau von vier Hochstromtrassen Rechnung getragen. Bislang liegt deren Baufortschritt aber hinter dem Zeitplan zurück.

Hoher Investitionsbedarf

Der hohe Netzausbaubedarf für Überland-, Offshore- und Verteilnetze erfordert bis 2030 weitere Investitionen von bis zu 80 Mrd. Euro. Bereits heute stehen die Netzentgelte für rund ein Viertel der Strompreise für den Endverbraucher. Daher steigt der politische Druck auf die Bundesnetzagentur, die in den Netzentgelten beinhaltete Eigenkapitalrendite für die rund 1.100 Netzbetreiber möglichst gering zu halten.

Angesichts günstiger Kreditzinsen zur Finanzierung des Netzausbaus hat die Bundesnetzagentur für die 2019 beginnende dritte Regulierungsperiode die Eigenkapitalrenditen um jeweils rund zwei Prozentpunkte auf 5 Prozent für Alt- und 7 Prozent für Neuanlagen gesenkt. Der Netzbetrieb bleibt dennoch lukrativ, zumal die Margen aus dem Stromverkauf durch den immer günstigeren Grünstrom auch mittelfristig unter Druck bleiben.

Energieversorger erschließen neue Geschäftsfelder

Energieversorgungsunternehmen ohne Netzbetrieb und ohne durch das EEG abgesicherte Cashflows setzen verstärkt auf einen Ausbau von Energiedienstleistungen (Energieberatung, Contracting) oder der Sektorkopplung (der gleichzeitigen Erzeugung von Strom und Wärme). So kann der zuletzt wenig rentable Stromverkauf durch die besseren Margen aus der Wärmeversorgung oder aber durch Erträge aus Energiedienstleistungen quersubventioniert werden.

Speichertechnologien weiter entwickeln

Da „Grünstrom“ nicht nachfrageorientiert, sondern weitgehend wetterabhängig produziert wird, soll aus Effizienzgründen überschüssiger Grünstrom netzverträglich gespeichert werden. Der Aus- und Zubau von Stromspeichern muss deshalb massiv vorangetrieben werden. Beispiele sind:

  • Batterie- und Wasserkraftspeicher
  • Speichertechnologien, mit denen Grünstrom über die Elektrolyse etwa in Gas umgewandelt wird („Power to X“)

Eine entsprechende Anzahl an Stromspeichern könnte nicht nur den Netzausbaubedarf minimieren und das kostspielige Betreiben eines konventionellen Kraftwerkparks zur Sicherung der Netzstabilität mittel- bis langfristig überflüssig machen. Auch die Effizienz des bestehenden EE-Anlagenparks lässt sich damit deutlich erhöhen. Grünstromüberschüsse können gespeichert und zu einem späteren Zeitpunkt nachfrage- und netzoptimiert ins Stromnetz eingespeist werden.

Glossar: Energietrilemma