BayernLB

E-Mobilität

Noch ist nicht entschieden, ob die Fahrzeuge der Zukunft rein elektrisch fahren werden oder ob die Automobilindustrie auf lange Sicht nicht doch einen Mix aus mehreren Antriebstechnologien beherrschen muss. Sicher ist dagegen, dass sich die Mobilität der Menschen grundlegend verändert und die Unternehmen ihre Strategien und Geschäftsmodelle darauf ausrichten müssen.

Weltweit wird nach Lösungen gesucht, den Ausstoß klima- und gesundheitsschädlicher Schadstoffe einzudämmen. Auch der Verkehrssektor steht dabei im Fokus – und mit ihm die Automobilindustrie. Denn der Sektor ist ein bedeutender Verursacher von Schadstoffemissionen (Stickstoffoxide, Feinstaub und CO2).

Im Video: Wann starten Elektroautos durch? Dr. Jürgen Michels, Chefvolkswirt der BayernLB, über Gegenwart und Zukunft der E-Mobilität

Am Ende? Der fossile Verbrennungsmotor

Viele (politische) Akteure sehen im Elektromotor die Chance, das Ziel der Dekarbonisierung in der Mobilität zu erreichen. Vor diesem Hintergrund werden weltweit die Grenzwerte für Schadstoffemissionen stetig verschärft. In einigen Ländern wird auf lange Sicht sogar über das Verbot von Verbrennungsmotoren nachgedacht.

Folgende Länder haben ein solches Verbot bereits konkret angekündigt:

  • Norwegen (für das Jahr 2025)
  • Frankreich (2040)
  • Großbritannien (2040)
  • Indien (2030)

Enttäuschend: Nachfrage nach E-Mobilen

Nun bewegt sich auch die deutsche Automobilindustrie verstärkt Richtung E-Mobilität. Gleichzeitig bleiben die Absatzzahlen von Elektrofahrzeugen – ungeachtet steigender Verkäufe – hinter den allgemeinen Erwartungen zurück. Im Alltag schneiden Elektroautos im Vergleich zum Verbrennungsmotor aktuell noch schlechter ab. Die Gründe:

  • geringe Reichweite
  • lange Ladedauer
  • unzureichende Ladeinfrastruktur

Zudem kann der CO2-Fußabdruck von Elektrofahrzeugen nur so gut ausfallen, wie es der Energiemix bei der Stromerzeugung hergibt. Daher befindet sich die Automobilindustrie – eine der Schlüsselindustrien der deutschen Wirtschaft – in einem Spannungsfeld zwischen politischer Zielsetzung, Kundeninteressen und technisch/wirtschaftlich Machbarem.

Herausgefordert: die Automobilindustrie

Der Weg aus dem Spannungsfeld aus politischem Willen, Kundeninteresse und Machbarkeit ist mit erheblichem finanziellen Aufwand und hohen Risiken für die Automobilindustrie verbunden:

  • Finanzielle Risiken: Während die politischen Entscheidungsträger die Elektromobilität fördern, bleiben die Verbraucher Elektrofahrzeugen gegenüber sehr zurückhaltend. Dies bedeutet hohe Investitionen bei zugleich unsicherem Markterfolg.
  • Technologische Risiken: Noch ist nicht absehbar, welches Konzept der E-Mobilität (Brennstoffzelle oder Batterie) sich durchsetzen wird. Erschwerend kommt hinzu, dass sich China zum weltweiten Leitmarkt für Elektrofahrzeuge entwickelt und die Standards für die Zukunft vorgibt. Die Zulieferunternehmen müssen sich mit der Frage auseinandersetzen, welche ihrer Produkte beim Übergang zur Elektromobilität weniger nachgefragt bzw. sogar überflüssig werden. Gleichzeitig ist nicht auszuschließen, dass Fortschritte bei den Treibstoffen (synthetische Kraftstoffe) dem Verbrennungsmotor neue Perspektiven eröffnen.
  • Risiko Bedeutungsverlust: Die Elektromobilität wird sich in erster Linie über Mobilitätsdienste in Metropolregionen verbreiten.

Sicher ist: Alles kann anders werden

Noch ist nicht entschieden, ob die Fahrzeuge der Zukunft rein elektrisch fahren werden oder ob die Automobilindustrie auf lange Sicht nicht doch einen Mix aus mehreren Antriebstechnologien beherrschen muss. Sicher ist dagegen, dass sich die Ansprüche der Menschen an die Mobilität grundlegend verändern und die Unternehmen ihre Strategien und Geschäftsmodelle darauf ausrichten müssen.