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Klimakriterien in der Asset Allokation

Angesichts der Klimarisiken und der ambitionierten Ziele der nationalen und internationalen Klimaschutzpolitik kommt bei der Aufteilung von Kapitalanlagen den Chancen und Risiken des Klimawandels eine immer größere Bedeutung zu.

Bei der Asset Allokation steht die mittel- und langfristige Aufteilung der Kapitalanlagen im Vordergrund.

Langfristig sicher? Klimarisiken als neuer Faktor

Über die strategische Asset Allokation definieren Anleger die mittel- bis langfristige Aufteilung ihrer Kapitalanlagen auf verschiedene Anlageklassen, Regionen und Währungen. Angesichts der Klimarisiken und der ambitionierten Ziele der nationalen und internationalen Klimaschutzpolitik erscheint es sinnvoll, bei dieser Aufteilung der Kapitalanlagen auch die Chancen und Risiken des Klimawandels zu berücksichtigen. Im Vordergrund steht dabei die Frage, welchen Einfluss der Klimawandel bzw. die Klimaschutzpolitik auf die Wertentwicklung der einzelnen Assetklassen haben.

Unterschiedliche Klimaszenarien – unterschiedliche Risikobewertungen

Für die Bewertung des Risikos ist von entscheidender Bedeutung, von welchem Klimaszenario man ausgeht. Das im Paris Agreement definierte Ziel, den Temperaturanstieg auf deutlich unter 2 Grad Celsius zu beschränken, ist hier ein wichtiger, aber nicht der einzige Referenzpunkt. Klimawissenschaftler vom Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) haben verschiedene Szenarien für die Treibhausgasemissionen und den Klimawandel entwickelt. Danach ist auch ein Temperaturanstieg von 3 oder 4 Grad Celsius nicht ausgeschlossen. Ein solcher Anstieg hätte andere Folgen für die strategische Asset Allokation als ein Anstieg um 1,5 oder 2 Grad Celsius.

Fieberkurve einzelner Anlageklassen

Eine auf die Einhaltung des 2-Grad-Ziels ausgerichtete Entwicklung hätte positive Wirkungen auf die Erträge von Schwellenland-Aktien, Infrastruktur, Immobilien, Holz und der Landwirtschaft. Mit Ausnahme der Infrastruktur würden dagegen bei einem Verfehlen der Pariser Klimaziele und einem Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur um 4 Grad Celsius alle genannten Anlageklassen negativ beeinflusst werden. Zu diesem Schluss kommt die Studie „Investing in a Time of Climate Change“, die der WWF in Kooperation mit weiteren Organisationen in Auftrag gegeben hat.

Gestrandete Vermögen

Insbesondere bei illiquiden Anlageklassen besteht dabei das Risiko, dass Vermögensgegenstände mittel- bis langfristig „stranden“. Als „Stranded Assets“ werden Anlagen oder Vermögenswerte bezeichnet, die aufgrund der (unvorhergesehenen) Änderung von Regulierungen, der Umwelt oder von Technologien vor Ende ihrer vorgesehenen Nutzungsdauer eine nicht erwartete Abwertung erfahren bzw. die geplanten Erträge nicht mehr erbringen können. Beispiele für ein gestrandetes Vermögen wären beispielsweise:

  • fossile Kraftwerke, die aufgrund höherer Energie- und Emissionseffizienzkriterien nicht mehr betrieben werden dürfen
  • Immobilien, die in neu entstehenden Überschwemmungszonen liegen

Eine klimaorientierte Asset-Allokation hilft, die Kapitalanlagen auch langfristig im richtigen Fahrwasser zu halten.