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Klimarisiken von Unternehmen messen

Es gibt drei zentrale Klimarisiken: physische Risiken, Transformationsrisiken und Haftungsrisiken. Für Unternehmen besonders bedeutsam sind die mit der Dekarbonisierung verbundenen Risiken. Können doch politische Maßnahmen zur Erreichung der Treibhausgasneutralität zum Beispiel Produktionsprozesse, verwendete Technologien oder die Produktgestaltung unmittelbar und massiv beeinflussen.

Dieser Transformator ist ein Element des Smart Grid. Es regelt die schwankende Einspeisung von Solar- und Windkraftanlagen automatisch.

Dekarbonisierung der Wirtschaft birgt Risiken

Von den drei zentralen Klimarisiken – physische Risiken, Transformationsrisiken und Haftungsrisiken – sind aus Sicht der weit überwiegenden Zahl der Unternehmen die mit der Dekarbonisierung verbundenen Risiken am wichtigsten. Denn politische Maßnahmen zur Erreichung der Treibhausgasneutralität können Produktionsprozesse, verwendete Technologien oder die Produktgestaltung unmittelbar beeinflussen. Beispiele hierfür sind die Einführung einer CO2-Steuer, die Verschärfung von Grenzwerten für den Energieverbrauch oder schlichtweg Kunden, die zunehmend nach energieeffizienten Elektrogeräten verlangen.

Im Video: Eine Frage der Bonität - Gebhard A. Stadler, Länderrisiko- und Branchenanalyst der BayernLB, über Nachhaltigkeitskriterien im Länderrating

Umgang mit Dekarbonisierung beeinflusst Bonität und Kurse

Die Art, wie ein Unternehmen mit diesen Klimarisiken umgeht, kann den Markterfolg und damit die Bonität, die Aktienkursentwicklung und schließlich die Fähigkeit zur Zahlung von Zinsen und Dividenden beeinflussen. Für Investoren ist es daher wichtig, darüber angemessene Informationen zu erhalten. Die Task Force on Climate-related Financial Disclosures (TCFD) hat Empfehlungen dazu veröffentlicht, wie Unternehmen ihre Stakeholder zukünftig über ihr Klimarisikomanagement informieren sollten.

Carbon Ratings bringen Licht ins Dunkel

Schon heute verfügbar sind Carbon Ratings von Unternehmen. Sie stammen häufig von spezialisierten Nachhaltigkeits-Ratingagenturen wie ISS-oekom, MSCI ESG, sustainalytics oder Vigeo Eiris. Auf der Basis einer Vielzahl von Einzelkriterien bewerten sie unter anderem

  • die Klimaziele und -strategie der Unternehmen,
  • die Klimaverträglichkeit des Produkt- und Leistungsangebots,
  • die Entwicklung der THG-Emissionen in den vergangenen Jahren sowie
  • Umfang und Qualität der Berichterstattung zu Klimaaspekten.

Die Nutzung der Carbon Ratings in der Vermögensverwaltung ermöglicht es, gezielt in Unternehmen zu investieren, die etwa im Branchenvergleich geringere Klimarisiken aufweisen. Durch die Auswahl von Branchen und Unternehmen mit geringen Treibhausgasemissionen lässt sich der Carbon Footprint eines Portfolios gezielt reduzieren.

Auf dem richtigen Weg? Von Klimarisiken zu Klimazielen

Carbon Ratings geben einen guten Eindruck der aktuellen Klimarisiken eines Unternehmens. Gleichzeitig wird es immer wichtiger zu wissen, ob sich Unternehmen auf dem Weg in Richtung Treibhausgasneutralität befinden. Damit gewinnen neben der Bewertung des Status Quo die Analyse von Zielen und Fortschritten an Bedeutung.

Hier gibt es aktuell zwei wegweisende Ansätze:

  • Der „Best-in-Progress-Ansatz“ analysiert, welche Unternehmen in den vergangenen Jahren die größten Fortschritte im Klimarisikomanagement gemacht haben. Ihnen traut man zu, auch in der Zukunft die Risiken dynamisch anzupacken.
  • Der „Best-in-Transition-Ansatz“ überprüft, ob sich ein Unternehmen auch mittel- bis langfristig auf einem Transformationspfad in Richtung Treibhausgasneutralität befindet. Aussagen mit einem Zeithorizont von 20 bis 30 Jahren sind natürlich mit Unsicherheiten verbunden. Initiativen wie die Science Based Targets arbeiten daher daran, wissenschaftsbasierte Ziele für den Klimaschutz in Unternehmen zu formulieren. Bislang haben sich weltweit allerdings erst rund 360 Unternehmen zur Aufstellung wissenschaftsbasierter Klimaziele verpflichtet.