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Vorrang für die Schiene

Im Verkehrsbereich sind die CO2-Emissionen in Deutschland zuletzt gestiegen. Als Gründe für den Anstieg nennt das Umweltbundesamt einen ansteigenden Bestand an Lkw und Pkw sowie die steigende Zahl von Gütertransporten auf der Straße. Um das im Klimaschutzplan 2050 verankerte Ziel zu erreichen, die CO2-Emissionen im Verkehrsbereich bis 2030 um 40 bis 42 Prozent zu reduzieren, wird eine stärkere Nutzung der Bahn im Güter- und Personenverkehr diskutiert.

Der Güterbahnhof in München aus der Vogelperspektive. Kein anderer Verkehrsträger transportiert Güter umweltschonender als die Schiene.

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Steigende Nutzung von PKW und LKW gefährdet Klimaziele

Im Verkehrsbereich sind die CO2-Emissionen in Deutschland zuletzt gestiegen. Allein 2017 nahmen die Emissionen um 3,8 Mio. Tonnen auf 170,6 Mio. Tonnen zu. Damit lagen sie auf dem Niveau von 1990, das vielfach als Referenzjahr für die Klimaziele dient.

Als Gründe für den Anstieg nennt das Umweltbundesamt einen ansteigenden Bestand an Lkw und Pkw sowie die steigende Zahl von Gütertransporten auf der Straße. Um das im Klimaschutzplan 2050 verankerte Ziel zu erreichen, die CO2-Emissionen im Verkehrsbereich bis 2030 um 40 bis 42 Prozent zu reduzieren, wird eine stärkere Nutzung der Bahn im Güter- und Personenverkehr diskutiert.

Mehr Güter auf die Schiene

Angesichts des starken LKW-Durchgangsverkehrs auf deutschen Autobahnen muss nach Einschätzung von Experten der Kombiverkehr Straße-Schiene deutlich forciert werden. Eine bessere Schienenanbindung der großen deutschen Containerhäfen ist ebenso voranzutreiben wie der seit Jahren stockende Ausbau der Zugstrecken Richtung Südeuropa und Schweiz. Auch die Osteuropa-Zugverbindungen erfordern durch die immer stärkere Einbindung der Länder in die deutsche Wertschöpfungskette einen schnellen Ausbau.

Durch die Verlagerung von Gütern auf die Schiene ließen sich nicht nur die CO2-Emissionen senken. Gleichzeitig ließe sich der weitere Ausbau des deutschen Autobahnnetzes auf durchweg drei Spuren reduzieren.

Mehr schienengebundener Fernverkehr

Auch im Personenverkehr kann die Bahn einen Beitrag zur Erreichung der Klimaziele leisten. So kommt dem Schienenverkehr neben der Elektromobilität und dem Ausbau der Sharing-Economy in den großen Ballungszentren eine noch größere Bedeutung zu. Neben dem Ausbau des innerstädtischen Schienenpersonennahverkehrs könnte ein beschleunigter Ausbau der Schnellzugnetze zwischen deutschen Ballungszentren auch die Wettbewerbsfähigkeit der Bahn gegenüber dem inländischen Flugverkehr erhöhen. Beim Ausbau der Schieneninfrastruktur spielen lange Genehmigungszeiten und juristischer Widerstand der vom Ausbau betroffenen Anwohner eine wichtige Rolle.

Mehr Effizienz und größere Zuverlässigkeit durch Digitalisierung des Bahnbetriebs

Durch die Digitalisierung des Bahnbetriebs kann etwa durch „vorausschauende Wartung“ das bestehende Schienennetz effizienter und zuverlässiger genutzt werden. Weichenstörungen werden rechtzeitig erkannt, und die Taktfrequenz der Züge kann erhöht werden. Nicht zuletzt kann durch eine deutliche Senkung der Trassengebühren die Wettbewerbsfähigkeit der Bahn im Gütertransportverkehr gestärkt werden.

Abbau von Investitionsstaus im Schienennetz entscheidend

In den meisten EU-Ländern befindet sich der Zugbetrieb im Besitz der öffentlichen Hand. Ausbau- und Unterhalt der Schieneninfrastruktur richten sich zumeist nicht nach Bedarf, sondern nach Kassenlage. Eine jahrelange Vernachlässigung des Bestandsnetzes durch unzureichende Mittelzuweisung vergrößert vielfach den finanziellen Bedarf und geht zu Lasten des Neubaus sowie einer besseren Attraktivität des Transportsystems Schiene.

Europäische Lösungen erforderlich

Der Weg zu einer nachhaltigen Verkehrspolitik erfordert ein klares Bekenntnis der EU-Länder, nationale Befindlichkeiten zugunsten einer gemeinsamen europäischen Verkehrspolitik zurückzustellen. So behindern nationale Differenzen für Zulassung und Betrieb von Schienenfahrzeugen bislang den grenzüberschreitenden Schienenverkehr. Auch die Vielzahl der unterschiedlichen technischen Standards bei Strom-, Brems- und Sicherheitssystemen sowie bei den Spurweiten bleibt ein Problem.

Erste Weichen gestellt

Ab Mitte 2019 dürfen kommerzielle Schienenverkehrsdienstleistungen europaweit angeboten werden. Auch ein harmonisiertes Zulassungsverfahren für Schienenfahrzeuge soll dann greifen (4. EU-Eisenbahnpaket). Durch eine verpflichtende Trennung von Bahnnetz und Transport ließe sich der Wettbewerb weiter forcieren. Dadurch könnten weitere Kostensparpotenziale realisiert werden, durch die die Wettbewerbsfähigkeit der Schiene gesteigert werden könnte.

Glossar: Klimaschutzplan 2050

Mehr CO2-Emissionen im Verkehr im Jahr 2017:

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CO2-Emissionen im Verkehrsbereich im Jahr 2017 insgesamt:

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CO2-Reduktion, die der deutsche Klimaschutzplan für den Verkehrssektor bis 2030 vorsieht:

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