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CO2- Fußabdruck & Co.

Für das Klimarisikomanagement von Unternehmen sind insbesondere der Product Carbon Footprint und der Corporate Carbon Footprint von großer Bedeutung. Gemessen werden jeweils nicht nur die CO2-Emissionen, sondern sämtliche klimarelevante Emissionen – die Treibhausgase.

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Zwei zentrale Werkzeuge für das Klimarisikomanagement

Mit dem Carbon Footprint oder CO2-Fußabdruck können direkte und indirekte Treibhausgasmissionen gemessen werden. Je nach Betrachtungseinheit lässt sich dies für eine Aktivität (Flugreise), einen Produktionsprozess oder ein Produkt erheben. Im Hinblick auf die Bewertung der Klimarisiken von Unternehmen sind insbesondere der produktbezogene Product Carbon Footprint (PCF) und der unternehmensbezogene Corporate Carbon Footprint (CCF) relevant. Gemessen werden jeweils nicht nur die CO2-Emissionen, sondern sämtliche klimarelevante Emissionen – die Treibhausgase.

1. Product Carbon Footprint (PCF)

Der Product Carbon Footprint (PCF) misst die Treibhausgasemissionen eines Produktes, beispielsweise eines Pkw. Betrachtet wird dabei der gesamte Lebenszyklus von der Rohstoffgewinnung über die Produktion und Nutzung bis zur Entsorgung bzw. Wiederverwertung. Dadurch wird der Vergleich von Klimaauswirkungen verschiedener Produkte möglich. Je stärker Geschäftskunden und Endverbraucher auf die Klimawirkungen von Produkten achten, desto wichtiger könnte der PCF bei der Kaufentscheidung werden. Produkte mit einem vergleichsweise großen PCF hätten dann Nachteile im Wettbewerb. Zudem wären die Hersteller dieser Produkte von möglichen regulatorischen Maßnahmen zur Senkung der Emissionen in besonderem Maße betroffen.

2. Corporate Carbon Footprint (CCF)

Der Corporate Carbon Footprint (CCF) erfasst alle Treibhausgasemissionen, die ein Unternehmen durch seine geschäftliche Tätigkeit innerhalb einer bestimmten Periode verursacht. Betrachtet wird meist ein Jahr. Bei der Berechnung des CCF werden drei Arten von Emissionen, die sogenannten Scopes 1 bis 3, unterschieden. Der CCF ist für Unternehmen in erster Linie Ausgangspunkt für die Analyse der eigenen Klimawirkungen. Er liefert Ansatzpunkte für konkrete Maßnahmen, um die klimabezogenen Risiken zu reduzieren. Gleichzeitig gibt er einen Eindruck von der Energie- und Treibhausgasintensität einzelner Unternehmen und ist damit auch ein Indikator für klimabezogene Transformationsrisiken.

Hintergrund: Scope 1 bis 3

Die Messung der Treibhausgasemissionen (THG) basiert häufig auf der im Greenhouse Gas Protocol definierten Methodik. Dabei werden drei Bereiche von Emissionen unterschieden:

Scope 1 Scope 2 Scope 3
direkte THG-Emissionen, die direkt im Unternehmen anfallen, z. B. Emissionen aus eigenen Heizkesseln oder chemischen Prozessen indirekte THG-Emissionen, die im Zusammenhang mit der Bereitstellung von Energie durch Energieversorger stehen, insbesondere Strom übrige THG-Emissionen, u. a. von Produkten und Dienstleistungen in der Nutzungsphase, z. B. Stromverbrauch Waschmaschine, Benzinverbrauch Pkw beim Endkunden

Carbon Intensity – ein Ansatz für bessere Vergleichbarkeit

Während der Carbon Footprint die absoluten Treibhausgasemissionen betrachtet, werden diese beim Carbon Intensity-Ansatz ins Verhältnis zu einer Bezugsgröße gesetzt, z. B. dem Umsatz, der Beschäftigtenzahl oder der Marktkapitalisierung eines Unternehmens. Die Kennzahl gibt damit beispielsweise Auskunft darüber, wie viel Treibhausgase ein Unternehmen emittiert hat, um eine Mio. Euro Umsatz zu erwirtschaften. Dadurch werden die Emissionen und damit auch der Klimarisiken verschiedener Unternehmen vergleichbarer.

Auch Kapitalanlagen haben einen CO2-Fußabdruck

Der Carbon Footprint-Ansatz wird zunehmend auf die Kapitalanlage übertragen. Grundidee ist es dabei, die Treibhausgasemissionen zu berechnen, die die Unternehmen emittieren, die in einem Fonds oder Portfolio gelistet sind. Dazu werden die entsprechenden Emissionen der Unternehmen ermittelt und z. B. einem Aktienportfolio in Höhe seines Anteils an dem Unternehmen zugeordnet.

Wenn beispielsweise ein Unternehmen 100.000 Tonnen Treibhausgase pro Jahr ausstößt und ein Investor in seinem Aktienportfolio 2 Prozent des Kapitals des Unternehmens hält, können ihm 2.000 Tonnen zugerechnet werden. Addiert man die entsprechenden Treibhausgasanteile aller Emittenten eines Portfolios, erhält man dessen Carbon Footprint. Die Berechnung eines Carbon Footprints ist auch für andere Anlageklassen möglich, beispielsweise für Immobilien. In Frankreich sind größere institutionelle Investoren durch §173 des Energiewendegesetzes bereits verpflichtet, jährlich über den Carbon Footprint ihrer Portfolien zu berichten.