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Emissionshandel: Ein Preis für CO2

Dem Emissionshandel kommt im Instrumentenkasten der deutschen und europäischen Klimapolitik besondere Bedeutung zu. Durch die Bepreisung von CO2-Emissionen und die sukzessive Absenkung der Obergrenze für die Emissionen soll ein Impuls für klimaverträgliche Investitionen gesetzt werden. Eine Reform soll die Effizienz des bislang mäßig erfolgreichen Systems spürbar verbessern.

Wein auf der Wanderschaft: Durch den Klimawandel verlagern sich die Weinanbaugebiete immer weiter nach Norden.

Die Bundesregierung bekennt sich zu einem effektiven Emissionshandel als zentralem Klimaschutzinstrument der EU für die Sektoren Energiewirtschaft und (teilweise) Industrie und wird sich auf europäischer Ebene für eine Stärkung einsetzen (Klimaschutzplan 2050 der Bundesregierung).

Das Prinzip: Cap & Trade

Der Europäische Emissionshandel funktioniert nach dem Prinzip des „Cap & Trade“:

  • Durch eine Obergrenze (Cap) wird festgelegt, wie viele Treibhausgase die einbezogenen Anlagen, z. B. Kraftwerke, Raffinerien und Stahlwerke, insgesamt ausstoßen dürfen. Die entsprechenden Emissionszertifikate werden den Anlagen teilweise kostenlos übertragen.
  • Die Emissionsberechtigungen können frei auf dem Markt gehandelt werden („Trade“). Durch Angebot und Nachfrage ergibt sich ein Preis für das Recht, eine Tonne CO2 zu emittieren. Unternehmen, die durch Investitionen beispielsweise in Energiesparmaßnahmen ihren CO2-Ausstoß reduzieren, können die überzähligen Emissionsrechte am Markt verkaufen. Je höher der Preis der Emissionsrechte ist, desto attraktiver werden Maßnahmen zur Senkung der Emissionen.

Überangebot beeinträchtigte bislang den Erfolg

Als Ergebnis einer großzügigen Zuteilung von Emissionsrechten, aber auch der umfangreichen Nutzung von Emissionsrechten aus internationalen Klimaschutzprojekten sowie dem Rückgang der Emissionen im Zuge der Wirtschaftskrise gab es in den vergangenen Jahren ein deutliches Überangebot an Emissionsrechten im europäischen Handelssystem.

Dies hat zu einem Verfall der Preise für die Rechte geführt. Dadurch wurde es für Anlagenbetreiber attraktiver, Emissionsrechte zu kaufen statt die eigenen Emissionen zu reduzieren. Die mit dem Emissionshandel verbundenen Erwartungen konnten daher nur teilweise erfüllt werden.

Reform des EU Emissionshandels

Im Februar 2018 hat der Europäische Rat eine Reform des Emissionshandelssystems für den Zeitraum nach 2020 beschlossen. Zentrales Ziel ist es, die erkannten Defizite zu beseitigen und den Emissionshandel zu einem wirkungsvollen Instrument für den Klimaschutz zu machen. Die wichtigsten Eckpunkte der Reform sind:

  1. Anwendung in allen 28 EU-Ländern sowie Island, Liechtenstein und Norwegen;
  2. Einbezug von rund 12.000 energieintensiven Anlagen sowie Luftverkehrsunternehmen, die Leistungen zwischen diesen Ländern anbieten; dadurch werden rund 45 Prozent der Treibhausgasemissionen in der EU abgedeckt;
  3. Einführung eines linearen Verringerungsfaktors: Absenkung der Obergrenze für die Gesamtemissionen um jährlich 2,2 Prozent;
  4. Verdoppelung der Zahl der Zertifikate, die bei einem Überangebot jährlich vom Markt genommen werden auf 24 Prozent. Sie werden in einer sogenannten Marktstabilisierungsreserve geparkt.